Weltwirtschaft

Labour’s Brexit-Schwenk: Von Leave- zu Remain-Wählern, getrieben von Wirtschaftssorgen

Labour’s Brexit-Schwenk: Von Leave- zu Remain-Wählern, getrieben von Wirtschaftssorgen

Eine grundlegende Neuausrichtung der Brexit-Strategie der Labour Party ist im Gange. Die Partei konzentriert sich zunehmend auf pro-EU-Wähler statt auf jene, die für den Austritt gestimmt haben, so die Analyse von Professor Sir John Curtice von der University of Strathclyde. Dieser Schwenk, angetrieben durch anhaltende wirtschaftliche Trägheit und jüngste Wahlniederlagen, markiert eine bemerkenswerte Abkehr von der Haltung der Partei nach der Wahl 2019.

Finanzministerin Rachel Reeves unterstrich diese Verschiebung in ihrer Mais-Vorlesung am Dienstag, indem sie unmissverständlich feststellte, dass „der Brexit tiefen Schaden angerichtet hat“. Während sie betonte, die Regierung versuche nicht, „die Uhr zurückzudrehen“, signalisierte Reeves eine klare Absicht für eine „tiefere Beziehung“ zur EU und bekräftigte, dass dies „im Interesse ganz Europas“ sei. Diese offene Anerkennung der wahrgenommenen Schäden des Brexit spiegelt eine wachsende Überzeugung innerhalb der Regierung wider, dass ein ehrgeizigerer „Neustart“ der Post-Brexit-Beziehung des Vereinigten Königreichs zur EU unerlässlich ist, um die angeschlagene Wirtschaftsleistung des Landes wiederzubeleben. Die Wirtschaft wuchs beispielsweise 2025 um 1,3%, eine Verbesserung gegenüber 1,1% im Jahr 2024, blieb aber hinter den offiziellen Prognosen von 1,5% zurück.

Labours Wahlprogramm von 2024 hatte bereits einige Neuverhandlungen des Handels- und Kooperationsabkommens (TCA) vorgeschlagen, insbesondere mit dem Ziel, die EU-Zollkontrollen für Lebensmittel- und Agrarproduktexporte durch Angleichung der britischen Vorschriften an die der EU zu beseitigen. Es wurden jedoch klare rote Linien beibehalten: keine Rückkehr zum Binnenmarkt, zur Zollunion oder zur Freizügigkeit und keinerlei Andeutung eines Wiedereintritts in die EU. Dieser vorsichtige Ansatz war eine direkte Folge der schweren Niederlage der Partei bei der Wahl 2019, bei der sie versuchte, die arbeitenden Leave-Wähler zurückzugewinnen, die zu den Konservativen übergelaufen waren und zum Zusammenbruch der ‚Red Wall‘-Sitze beitrugen.

Der Ton der Partei hat sich jedoch erheblich gewandelt. Kurz nach dem Haushaltsplan vom letzten Herbst erklärte Premierminister Sir Keir Starmer, dass „der Brexit unserer Wirtschaft erheblich geschadet hat“ und dass Großbritannien „sich weiterhin auf eine enge Beziehung zur EU zubewegen muss“. Obwohl die roten Linien des Manifests angeblich intakt blieben, deutete seine Aussage eine wachsende Überzeugung an, dass ein ehrgeizigerer Ansatz zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums notwendig sei.

Einige Minister haben noch deutlichere Ansichten geäußert. Gesundheitsminister Wes Streeting bemerkte auf einem Literaturfestival im Oktober: „Ich bin froh, dass der Brexit ein Problem ist, dessen Namen wir jetzt aussprechen dürfen“, und deutete an, dass er glaubte, die EU zu verlassen, erschwere das von der Regierung versprochene Wirtschaftswachstum. Der stellvertretende Premierminister David Lammy stellte in einem Podcast fest, dass der wirtschaftliche Schaden des Brexit „offensichtlich“ sei, und verwies auf den wirtschaftlichen Nutzen, den die Türkei aus ihrem Zollabkommen mit der EU gezogen hatte. Weitere Anzeichen für internen Druck zeigten sich am Mittwoch, als der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan forderte, das Vereinigte Königreich solle vor der nächsten Wahl der EU-Zollunion und dem Binnenmarkt wieder beitreten und dann bei dieser Wahl für einen Wiedereintritt in die EU werben.

Obwohl Finanzministerin Reeves die fortbestehende Gültigkeit der roten Linien des Manifests betonte, signalisierte ihre Mais-Vorlesung eindeutig eine Verschiebung hin zur Angleichung des britischen Regulierungssystems an das der EU in weiteren Bereichen, wo immer dies im Interesse Großbritanniens liegt. Ein solcher Schritt, so deutete sie an, sei entscheidend, um das von Labour im Wahlkampf 2024 versprochene Wirtschaftswachstum zu erzielen, das der Regierung bisher weitgehend entgangen ist.

Dieser strategische Wandel ist nicht nur eine wirtschaftliche Kalkulation; er hat erhebliche politische Auswirkungen. Die ursprüngliche Strategie nach 2019 zielte darauf ab, arbeitende Leave-Wähler zurückzugewinnen, doch Daten der British Election Study und des National Centre for Social Research zeigen, dass Labour zwischen 2019 und 2024 in dieser Hinsicht relativ wenig Fortschritte machte. Bei der Wahl 2024 stammten 80% der Labour-Unterstützung von Personen, die einen Wiedereintritt in die EU befürworteten, nur geringfügig weniger als 86% im Jahr 2019. Die Partei war deutlich erfolgreicher darin, Tory-Wähler von 2019 anzuziehen, die einen Wiedereintritt in die EU befürworteten, als jene, die draußen bleiben wollten.

Aktuell steht Labour vor erheblichen Wahlherausforderungen. Umfragen in diesem Monat beziffern die Unterstützung der Partei auf lediglich 19%, acht Punkte hinter Reform, einer Partei, deren Unterstützung überwiegend von Brexit-Befürwortern stammt. Jeder zehnte Wähler, der 2024 Labour gewählt hat, unterstützt nun die Partei von Nigel Farage. Sir John Curtices Analyse zeigt jedoch, dass der Aufstieg von Reform nicht die Hauptursache für Labours aktuelle Schwierigkeiten ist. Für jeden Wähler, der seit 2024 von Labour zu Reform gewechselt ist, sind fast doppelt so viele (19%) zu den wiedererstarkten Grünen gewechselt, und weitere 8% sind zu den Liberaldemokraten abgewandert. Entscheidend ist, dass während Labour-zu-Reform-Wechsler fast ausschließlich Leave-Wähler sind, die Mehrheit derjenigen, die zu den Grünen oder Liberaldemokraten wechseln, Wiedereintrittsbefürworter sind.

Diese Dynamik spiegelt sich in den Umfragedaten wider: Labours Stimmenanteil ist seit 2024 bei Leave-Wählern um neun Punkte gesunken, bei Remain-Anhängern jedoch um deutlichere 19 Punkte. Dies macht deutlich, dass Labour seine Wahlergebnisse wahrscheinlich nicht allein durch die Ansprache von Brexit-befürwortenden Reform-Wählern verbessern wird. Die Partei muss auch pro-EU-orientierte Wähler zurückgewinnen, die zu Parteien abgewandert sind, die im Gegensatz zu Labour einen eventuellen Brexit-Rückzug befürworten.

Labours frühere Strategie ging davon aus, dass ein ‚Neustart‘ der EU-Beziehung ohne Wiedereintritt die pro-EU-Basis zufriedenstellen würde, ohne die Minderheit der Brexit-Befürworter zu verprellen. Während eine YouGov-Umfrage im Juni letzten Jahres zeigte, dass 76% der Labour-Wähler von 2024 eine „engere Beziehung… ohne Wiedereintritt“ unterstützten, mit nur 11% Ablehnung, bedeutet dies keine Präferenz gegenüber einem Wiedereintritt. Dieselbe Umfrage ergab, dass 82% der Labour-Wähler einen „Wiedereintritt Großbritanniens in die Europäische Union“ unterstützten, mit nur 12% Ablehnung. Aktueller, im Dezember, berichtete YouGov, dass 73% der Labour-Wähler von 2024 „Verhandlungen für einen Wiedereintritt Großbritanniens in die Europäische Union“ unterstützten, gegenüber 18% Ablehnung.

Selbst die Kernelemente von Labours vorgeschlagenem ‚Neustart‘, wie die Abschaffung von Zollkontrollen für Lebensmittel- und Agrarproduktexporte durch ein Veterinärabkommen, zeigen nuancierte Unterstützung. Während eine BMG-Umfrage im Januar letzten Jahres ergab, dass 63% der Labour-Wähler von 2024 ein solches Abkommen unterstützten (10% lehnten es ab), erzielte Redfield & Wilton ein sehr unterschiedliches Ergebnis, als den Wählern die relevanten Kompromisse präsentiert wurden. Dies deutet darauf hin, dass eine tiefere Beziehung zwar allgemein populär ist, die Einzelheiten und die damit verbundenen Kosten jedoch ein komplexeres Bild der öffentlichen Meinung zeichnen.

Die sich entwickelnden Daten, insbesondere der erhebliche Verlust von pro-EU-Wählern an die Grünen und Liberaldemokraten, unterstreichen eine tiefgreifende Verschiebung in der politischen Landschaft. Labours strategischer Schwenk hin zu einer offeneren pro-EU-Haltung, auch wenn sie noch durch bestehende rote Linien begrenzt ist, scheint eine pragmatische Reaktion auf ihre aktuellen Wahlschwächen und die wahrgenommene wirtschaftliche Notwendigkeit engerer Beziehungen zu Europa zu sein. Die Herausforderung der Partei besteht nun darin, diesen Wandel zu vollziehen, ohne ihre verbleibenden, wenn auch kleineren, Brexit-befürwortenden Wähler zu verprellen, während sie gleichzeitig desillusionierte Remain-Wähler davon überzeugt, dass ihr Ansatz einen glaubwürdigen Weg nach vorne bietet.

Dieser Artikel wurde mithilfe von KI auf Basis öffentlich zugänglicher Finanzdaten erstellt. Die Informationen können Ungenauigkeiten enthalten. Dies ist keine Finanzberatung. Konsultieren Sie vor Anlageentscheidungen stets einen qualifizierten Finanzberater.
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