Die US-Wirtschaft präsentiert den Wählern vor den Zwischenwahlen im November ein komplexes Bild, das unerwartetes Wachstum mit dem anhaltenden Druck steigender Kosten in Einklang bringen muss. Während die Zahlen für das erste Quartal 2026 zeigten, dass die Wirtschaft ‚auf Hochtouren lief‘, hat der anhaltende US-israelische Krieg im Iran die Haushaltsbudgets erheblich beeinflusst und stellt eine kritische Herausforderung für Präsident Trump dar.
Wirtschaftswachstum überrascht
Offizielle Statistiken zeigten, dass die Wirtschaft im ersten Quartal 2026 auf annualisierter Basis um 2% wuchs. Dies war ein ‚erheblicher Aufschwung‘ nach einer Verlangsamung Ende 2025. Dieses Wachstum erfolgte trotz des Drucks auf die Verbraucher durch US-Zölle, die zu höheren Preisen für amerikanische Käufer führten, und den ‚frischen Energieschock‘, der durch den Iran-Krieg ausgelöst wurde.
Auch der Konsum verzeichnete ein Wachstum von 1,6% auf annualisierter Basis. Ökonomen bemerkten, dass die Belastung der Verbraucher ’nicht so schlimm war wie befürchtet‘. Der Haupttreiber dieses Wachstums scheint jedoch die Unternehmensinvestitionen zu sein. James Knightley, Chef-Volkswirt bei ING, erklärte, dass, während sich die Konsumausgaben abkühlten, ‚Investitionen im Zusammenhang mit Technologie und KI eindeutig zum Hauptmotor des Wachstums in den USA geworden sind‘. Dies unterstreicht eine Verschiebung in der zugrunde liegenden Dynamik der Wirtschaft.
Druck durch Lebenshaltungskosten nimmt zu
Trotz positiver Wachstumszahlen bleiben die ‚Lebenshaltungskosten‘ ein dominantes Anliegen der Wähler, was das politische Sprichwort widerspiegelt: ‚It’s the economy, stupid.‘
- Der Konflikt im Iran, insbesondere Trumps Angriffe und die anschließende Schließung der Straße von Hormus, hat die globalen Energiemärkte direkt beeinflusst. Brent-Rohöl, ein wichtiger Öl-Benchmark, stieg am Donnerstag auf ein Vierjahreshoch von 126 US-Dollar, nachdem es vor Kriegsbeginn Ende Februar bei rund 73 US-Dollar gehandelt worden war. Obwohl es seitdem auf 111 US-Dollar gefallen ist, ist der Anstieg erheblich.
- Dies führte zu höheren Preisen an der Zapfsäule: Daten der American Automobile Association zeigten, dass Amerikaner Ende April 4,30 US-Dollar für eine Gallone Kraftstoff zahlten, verglichen mit weniger als 3 US-Dollar im Februar.
- Die Gesamtinflation verzeichnete ebenfalls einen ’scharfen Anstieg‘, wobei die durchschnittliche jährliche Preissteigerung im März 3,3% erreichte, ein ’nahezu Zweijahreshoch‘ und ein bemerkenswerter Anstieg gegenüber 2,4% im Februar.
Zinssätze bleiben hoch
Der Inflationsdruck, insbesondere die März-Zahlen, hat ‚jede Hoffnung auf eine bevorstehende Zinssenkung‘ durch die Federal Reserve zunichtegemacht. Die Zentralbank hielt ihren Leitzins, der Hypotheken- und andere Kreditkosten für Amerikaner beeinflusst, am Mittwoch bei 3,5% bis 3,75%, eine Entscheidung, die im Gegensatz zu den vor dem Krieg erwarteten Zinssenkungen steht.
Für Verbraucher bedeutet dies höhere Kreditkosten. Daten von Freddie Mac zeigen, dass der durchschnittliche Zinssatz für eine 30-jährige Hypothek seit Beginn der US-Angriffe auf den Iran von 5,98% auf 6,3% gestiegen ist. Samuel Tombs, Chef-Volkswirt bei Pantheon Macroeconomics, deutet an, dass ‚höhere Ölpreise und die Erwartung, dass die USA ihre Blockade iranischer Häfen auf lange Sicht aufrechterhalten werden‘, Zinssenkungen bis 2027 verzögern könnten.
Resiliente Aktienmarktentwicklung
Im Gegensatz zu den Schwierigkeiten der Verbraucher haben diejenigen mit Investitionen am Aktienmarkt ‚während des Krieges gut abgeschnitten‘. Die wichtigsten US-Indizes – der S&P 500, der Dow Jones Industrial Average und der Nasdaq Composite – haben nicht nur die anfänglichen Verluste wieder wettgemacht, sondern ‚ihre Aufwärtstendenz vor dem Krieg fortgesetzt‘.
- Der Nasdaq hat seit Beginn des Konflikts rund 10% zugelegt.
- Der S&P 500 liegt etwa 5% höher.
- Der Dow ist um etwas mehr als 1% gestiegen.
Diese Zuwächse kommen direkten Anlegern und denen mit Rentenkassen wie 401ks zugute.
Die bevorstehenden Wahlen im November werden maßgeblich von der Wirtschaftslage beeinflusst. Während das positive BIP-Wachstum und die sich erholenden Aktienmärkte den republikanischen Strategen etwas Trost spenden, bleiben die ’spiralförmig steigenden Lebenshaltungskosten‘ ein erhebliches Problem. Präsident Trumps Fähigkeit, den Rest seiner Amtszeit zu gestalten, wird wesentlich von der Lösung des Iran-Konflikts abhängen, insbesondere davon, ob die Straße von Hormus wieder geöffnet wird und ob dies zu niedrigeren Kraftstoff- und Lebensmittelpreisen für die amerikanischen Wähler führt.


