Düsseldorf – Die Börsen scheinen erneut auf eine Entspannung im Nahen Osten zu setzen. Konkreter als die aktuellen Entwicklungen rund um ein potenzielles Abkommen zwischen den USA und dem Iran waren die Friedensbemühungen in der Region selten. Sollte es jedoch zu einem Rückschlag kommen, sind die Märkte laut der Handelsblatt-Umfrage „Dax-Sentiment“ überraschend gut abgesichert. Dies schafft eine konstruktive Ausgangslage für den deutschen Aktienmarkt, die auf einer breiten Basis von Anlegern beruht, die sich eher auf negative Szenarien vorbereitet hatten.
Anlegerstimmung im Wandel
Die wöchentliche Umfrage „Dax-Sentiment“, die das Handelsblatt von Freitagmorgen bis Samstagabend unter Anlegern durchführt und von Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, ausgewertet wird, liefert aufschlussreiche Einblicke in die Marktstimmung. Die jüngste Erhebung spiegelt noch nicht die Nachricht von US-Präsident Donald Trump wider, der eine Einigung mit dem Iran verkündete. Heibel schätzt, dass die Hoffnung auf ein Abkommen noch nicht vollständig in den Umfrageergebnissen enthalten ist.
Dennoch zeigt die Auswertung eine interessante Dynamik. Die Anlegerstimmung verschlechterte sich im Wochenvergleich von minus 0,7 auf minus 1,2 Zähler. Diese Entwicklung wird primär auf die schwache Kursentwicklung des Dax von Montag bis Donnerstag zurückgeführt, als der Index knapp zwei Prozent an Wert verlor. Erst gegen Ende der Woche sorgten konkrete Hinweise auf eine Annäherung für eine versöhnlichere Wochenbilanz.
Verunsicherung und Zukunftserwartungen
Die vorherrschende schwache Wochenentwicklung hat zu einer Zunahme der Verunsicherung unter den Umfrageteilnehmern geführt. Diese stieg von minus 2,8 auf minus 3,2 Zähler. Die Verunsicherung misst, inwieweit die Erwartungen der Anleger in der vergangenen Handelswoche erfüllt wurden. Je geringer die Erfüllung, desto größer die Unsicherheit.
Im Gegensatz dazu haben sich die Zukunftserwartungen verbessert. Sie stiegen von minus 0,5 auf plus 0,1 Punkte. Heibel bezeichnet dies als „Umkehrreflex“. Fallende Kurse machen Aktien günstiger und wecken die Hoffnung auf zukünftige Kursgewinne. Aktuell erwarten 22 Prozent der Befragten in drei Monaten einen Aufwärtsimpuls am Markt.
Investitionsbereitschaft und Absicherungsstrategien
Diese positiveren Zukunftsaussichten spiegeln sich jedoch nicht in der Investitionsbereitschaft wider. Diese gab leicht von plus 1,7 auf plus 1,5 Punkte nach und verharrt damit auf einem niedrigen Niveau. Die Kombination aus neutralen Zukunftserwartungen und geringer Investitionsbereitschaft hat deutliche Auswirkungen auf den Terminmarkt.
Daten der Börse Stuttgart zeigen, dass sich Privatanleger zum Wochenabschluss verstärkt gegen Kursverluste abgesichert haben. Auch an der europäischen Terminbörse Eurex, wo institutionelle Investoren handeln, wurden deutlich mehr Put-Optionen als Call-Optionen gekauft. Eine ähnliche Tendenz ist auch in den USA zu beobachten, wo Daten der Terminbörse in Chicago ein gestiegenes Interesse an Put-Absicherungen belegen.
Konstruktive Ausgangslage trotz Risiken
Stephan Heibel bezeichnet die allgemeine Stimmungslage daher als „durchaus konstruktiv“. Die Ankündigung einer möglichen Friedenslösung im Nahen Osten trifft auf Anleger, die sich auf schlimmere Szenarien eingestellt hatten. Da diese nicht auf steigende Kurse vorbereitet sind, könnten nun neue Käufer in den Markt eintreten und den Dax nach oben treiben.
Diese Entwicklung war bereits am Montag zu beobachten, als der deutsche Leitindex zeitweise um bis zu 1,8 Prozent über die Marke von 25.000 Punkten stieg. Dieses Niveau konnte der Dax jedoch nicht durchgehend halten, da weiterhin Unsicherheiten rund um das Friedensabkommen bestehen. Thomas Altmann, Portfoliomanager bei QC Partners, weist darauf hin, dass insbesondere das Atomthema und die Haltung Israels gegenüber dem Libanon noch komplexe und langwierige Verhandlungen erfordern werden. Diese verbleibenden Risiken würden von den Börsianern derzeit ausgeblendet.
Dennoch ist der Dax nach Heibels Einschätzung gut für den Fall vorbereitet, dass es auf dem Weg zu einem Frieden im Nahen Osten zu erneuten Rückschlägen kommt. „Anleger haben sich gegen fallende Kurse gewappnet“, so Heibel. Sollte es also doch nicht zu einem erfolgreichen Friedensschluss kommen, dürfte das Abwärtspotenzial an den Aktienmärkten aktuell überschaubar sein. Diese breite Absicherung der Anlegerpositionen schafft eine solide Basis, von der aus der Markt bei positiven Nachrichten profitieren kann, während er bei negativen Entwicklungen durch die bestehenden Absicherungen gedämpft wird.


