Die türkische Inflation verlangsamte sich im Juni zum ersten Mal seit Ausbruch des Iran-Krieges, hauptsächlich angetrieben durch einen deutlichen Rückgang der Energiepreise. Die Verbraucherpreise stiegen jährlich um 32,1%, ein Rückgang gegenüber den 32,6% im Vormonat, und entsprachen damit den Erwartungen einer Bloomberg-Umfrage unter 21 Ökonomen.
Die am Freitag von TurkStat veröffentlichten Zahlen unterbrechen eine zweimonatige Phase beschleunigter Inflation. Die Türkei, ein bedeutender Importeur von Öl und Erdgas, hatte zuvor nach der effektiven Schließung der Straße von Hormus einen Anstieg der Energiekosten erlebt. Auf monatlicher Basis verlangsamten sich die Preise ebenfalls auf 1%, was mit den Prognosen der Ökonomen übereinstimmte.
Geldpolitik unter Beobachtung
Die geldpolitischen Entscheidungsträger standen von Unternehmen und Banken zunehmend unter Druck wegen des langsamen Tempos der Disinflation. Die Zinssätze lagen über weite Teile des letzten Jahres nahe 40%, wobei die Fortschritte bei der Eindämmung der Inflation ins Stocken geraten waren.
Als Reaktion auf die Sekundäreffekte der energiebedingten Inflation pausierte die Zentralbank im März ihren Zinssenkungszyklus. Dieser Schritt wurde als verdeckte Zinserhöhung beschrieben, da die Institution anschließend Banken zu einem teureren Satz von 40% finanzierte, anstatt zum Hauptleitzins von 37%.
Gouverneur Fatih Karahan teilte Investoren in London im letzten Monat mit, dass die Zentralbank nicht in Betracht ziehe, die Finanzierung vor ihrer nächsten Zinsentscheidungssitzung wieder auf 37% umzustellen, wie Bloomberg berichtete.
Zukunftsausblick und divergierende Prognosen
Trotz der vorsichtigen Haltung der Zentralbank erwarten einige Banker und Ökonomen, dass die Entscheidungsträger den Finanzierungssatz bei der Juli-Sitzung von 40% senken könnten, unter Verweis auf den jüngsten Rückgang der globalen Ölpreise. Diese potenzielle Anpassung spiegelt einen nuancierten Ansatz im Geldmanagement angesichts sich entwickelnder wirtschaftlicher Bedingungen wider.
Mit Blick auf die Zukunft prognostizieren die meisten Ökonomen, dass die Inflation das Jahr leicht unter 30% beenden wird. Dieser Ausblick ist deutlich pessimistischer als die eigene Prognose der Zentralbank, die eine Inflation von 26% zum Jahresende erwartet. Die Divergenz unterstreicht die anhaltende Unsicherheit und die unterschiedlichen Perspektiven hinsichtlich der disinflationären Entwicklung der Türkei.
Die jüngste Inflationsentspannung bietet der türkischen Wirtschaft eine vorübergehende Atempause, doch der Weg zu einer nachhaltigen Disinflation bleibt komplex, wobei geldpolitische Entscheidungen und globale Energiemärkte weiterhin eine entscheidende Rolle spielen.


