Eine mögliche Erholung der Öllieferungen aus dem Nahen Osten könnte erheblich zurückgeworfen werden, falls eskalierende Spannungen weiterhin den Schiffsverkehr durch die kritische Straße von Hormus stören, warnte Goldman Sachs Group Inc. Die Analyse der Investmentbank unterstreicht die Zerbrechlichkeit der globalen Energiemärkte inmitten erneuter geopolitischer Reibereien.
Nach Schätzungen von Goldman lag die Rohölproduktion am Persischen Golf im Juni immer noch etwa 10,5 Millionen Barrel pro Tag unter dem Vorkriegsniveau. Während die Produzenten im Nahen Osten im letzten Monat begonnen hatten, stillgelegte Bohrlöcher wieder zu öffnen, könnte eine anhaltende Störung in Hormus diese Produktionserholung erheblich behindern, so Analysten, darunter Yulia Zhetkova Grigsby, in einer Notiz vom 8. Juli.
Geopolitische Spannungen kehren zurück
Der globale Energiemarkt wurde diese Woche durch ein Wiederaufleben des Konflikts zwischen Washington und Teheran erneut erschüttert. Diese Eskalation trieb die Brent-Rohöl-Futures kurzzeitig wieder über 80 Dollar pro Barrel und verdeutlichte die Empfindlichkeit des Marktes gegenüber geopolitischer Instabilität in der Region. Die unmittelbaren Auswirkungen auf den Seeverkehr waren drastisch: Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus kam Berichten zufolge fast zum Erliegen, nachdem die Vereinigten Staaten und der Iran den zweiten Tag in Folge Angriffe ausgetauscht hatten, was ein kürzlich geschlossenes fragiles Friedensabkommen in Frage stellte.
Die aktuelle Eskalation folgt auf eine Reihe früherer Angriffe auf die Schifffahrt in der wichtigen Wasserstraße. Präsident Donald Trump erklärte am Mittwoch, das vorläufige Friedensabkommen zwischen Washington und Teheran sei beendet. Gleichzeitig widerrief die US-Regierung eine Ausnahmegenehmigung, die zuvor iranische Ölverkäufe erlaubt hatte. Trotz dieser entschlossenen Maßnahmen deutete Präsident Trump an, dass die Verhandlungen mit dem Iran möglicherweise fortgesetzt werden könnten, was eine gewisse Unsicherheit in die diplomatische Landschaft brachte.
Unmittelbare Auswirkungen auf die Schifffahrtsströme
Die jüngsten Angriffe auf Tanker haben die wahrgenommenen Risiken für Schiffe, die die Straße von Hormus durchqueren, erheblich erhöht. Die Analysten von Goldman Sachs stellten fest: „Die jüngsten Angriffe auf Tanker unterstreichen die weiterhin erhöhten Risiken beim Überqueren, und Reeder könnten zögern, unter dem derzeit unklaren Waffenstillstandsstatus zu passieren, was die kurzfristigen Hormuz-Ströme belasten würde.“ Dieses Zögern führt direkt zu einer geringeren Schifffahrtsaktivität und folglich zu geringeren Ölströmen.
Die Daten von Goldman zeigen einen spürbaren Einfluss auf die Rohölströme durch den Persischen Golf. Nach den jüngsten Angriffen sind die Ölströme auf nahezu 70 % des normalen Niveaus zurückgegangen. Dies stellt einen Rückgang gegenüber dem früheren Monatsverlauf dar, als die Ströme innerhalb der ersten 10 Tage nach der anfänglichen Wiedereröffnung von Hormuz auf über 80 % des Vorkriegsniveaus angestiegen waren, was die unmittelbare und volatile Natur der Störungen demonstriert.
Zweiseitige Risiken und Zukunftsaussichten
Die Investmentbank identifiziert die Risiken für die Ströme und Preise am Persischen Golf als deutlich zweiseitig. Eine mögliche Erholung der Lieferungen wird bis Ende Juli prognostiziert, abhängig von mehreren kritischen Faktoren: der Fortsetzung der 60-tägigen Verhandlungen zwischen den Parteien, der Bereitstellung robuster Sicherheitszusagen für Reeder und der Wiedereinführung einer neuen Ausnahmegenehmigung für Teherans Rohölverkäufe. Sollten diese Bedingungen eintreten, könnte sich die Marktstabilität allmählich wieder einstellen.
Umgekehrt könnte sich die Situation erheblich verschlechtern. Sollten die Verhandlungen scheitern und die Angriffe auf Tanker eskalieren, warnt Goldman, dass die Ölströme noch weiter zurückgehen könnten. Ein solches Szenario würde nicht nur die Versorgungsengpässe verschärfen, sondern wahrscheinlich auch weiteren Aufwärtsdruck auf die globalen Ölpreise ausüben und die weltweite wirtschaftliche Stabilität beeinträchtigen.
Diese jüngste Einschätzung von Goldman Sachs steht im Gegensatz zu ihrer Position vom letzten Monat, als die Bank zu den Institutionen gehörte, die ihre Prognosen für die Ölpreise gesenkt hatten. Diese frühere Anpassung erfolgte unter der Annahme, dass die Ströme durch Hormuz zunahmen und unmittelbare Versorgungsängste abgebaut wurden. Damals hatten die Goldman-Analysten auch vor dem Potenzial eines erneuten Rohölüberschusses gewarnt, was die schnelle Verschiebung der Marktdynamik durch geopolitische Ereignisse unterstreicht.
Die Straße von Hormus bleibt ein unverzichtbarer Engpass für den globalen Öltransit, und jede anhaltende Störung dort hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Energiesicherheit und die Preisgestaltung. Der anhaltende diplomatische Tanz und die konkreten Sicherheitsrisiken in der Wasserstraße werden von den Marktteilnehmern weiterhin genau beobachtet, da das Gleichgewicht zwischen Angebotswiederherstellung und geopolitischer Instabilität prekär ist.


