Zürich – FIFA-Präsident Gianni Infantino hat einen kontroversen Vorschlag zur Schaffung eines kommerziellen Unternehmens und zum Verkauf von Minderheitsanteilen an private Investoren abrupt zurückgezogen. Dieser Schritt erfolgt nur wenige Tage nach seiner Ankündigung und folgt auf eine Welle scharfer Verurteilungen, einschließlich Boykottdrohungen von europäischen Fußballverbänden.
Schnelle Kehrtwende bedeutet Rückschlag für Infantino
Die schnelle Kehrtwende stellt eine bedeutende Niederlage für Infantino dar, der den am Dienstag enthüllten Plan befürwortet hatte. Ziel war es, die lukrativen Turniere der FIFA, einschließlich der Weltmeisterschaft und der Klub-Weltmeisterschaft, kommerziell besser zu nutzen. Die Entscheidung fiel im Anschluss an die kürzlich zu Ende gegangene, äußerst profitable Männer-Weltmeisterschaft, die in Nordamerika stattfand.
Ein besonders umstrittener Punkt des vorgeschlagenen Geschäfts war der Verkauf einer Minderheitsbeteiligung an private Investoren, darunter insbesondere eine von Joshua Kushner geführte Firma, dem Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des ehemaligen Präsidenten Trump. Die genauen finanziellen Konditionen und der Umfang des angebotenen Anteils wurden in der ursprünglichen Ankündigung nicht vollständig dargelegt.
In einer Erklärung räumte Infantino die weit verbreitete Opposition ein. „Nachdem wir alle Ansichten sorgfältig angehört haben, ist klar geworden, dass das Projekt Spaltungen geschaffen hat, die, unabhängig vom Unterstützungsgrad, nicht mehr im Interesse des ursprünglich gesetzten Ziels sind“, erklärte er. „Unser Zweck war und wird immer sein, zu vereinen und zu verbessern“, fügte er hinzu. „Daher wird dieser Vorschlag nicht weiterverfolgt.“
Europäische Nationen drohen mit Boykott
Der Plan stieß vom Moment seiner Enthüllung an auf sofortige und starke Opposition. Europäische Nationen, angeführt von der UEFA, dem Kontinentalverband, äußerten ihre Missbilligung vehement. Sie ergriffen den beispiellosen Schritt, mit einem Boykott der Weltmeisterschaft zu drohen, sollte die FIFA den Vorschlag nicht vollständig aufgeben. Die UEFA bezeichnete ein solches Abkommen als „Verkauf“ des Fußballs und signalisierte tiefe Besorgnis über die Kommerzialisierung des Sports.
Während sich auch CONCACAF (Nord-, Mittelamerika und Karibik) und die AFC (Asien) gegen den Plan aussprachen, eskalierten sie ihre Haltung nicht bis zur Drohung mit einem Boykott.
Interne Meinungsverschiedenheiten erhöhen den Druck
Die Opposition beschränkte sich nicht auf externe Gremien; auch innerhalb der FIFA gab es erhebliche Meinungsverschiedenheiten, die Infantinos Initiative weiter untergruben. Carlos Cordeiro, ein wichtiger Berater des FIFA-Präsidenten, trat am Freitagvormittag von seinem Posten zurück und nannte seine Ablehnung des Plans als Grund. Darüber hinaus kritisierte Kevin Lamour, Chief Operating Officer der FIFA, den Vorschlag in einer Erklärung gegenüber der Associated Press scharf und behauptete, die FIFA-Mitarbeiter seien von der Initiative überrumpelt worden.
Lamour bezeichnete den Plan als „Projekt einer Person“, eine klare Anspielung auf Infantino. Er erklärte weiter, er sei bereit, für seine offene Kritik entlassen zu werden, und fügte hinzu: „Wenigstens werde ich heute Nacht gut schlafen.“
Infantinos Zukunft unter Beobachtung
Diese Episode stellt einen erheblichen Rückschlag für Infantino dar, der kürzlich die finanziell erfolgreichste Weltmeisterschaft der Geschichte beaufsichtigt hat. Die FIFA wird voraussichtlich in den letzten vier Jahren 15 Milliarden US-Dollar einnehmen, der Großteil davon aus dem diesjährigen Männerturnier in Nordamerika. Infantinos Amtszeit war jedoch von einer Reihe von Kontroversen geprägt, darunter die Kritik an überhöhten Ticketpreisen und die umstrittene Verleihung eines „Friedenspreises“ an den ehemaligen Präsidenten Trump.
Infantino, der weithin als Anwärter auf eine dritte Amtszeit als FIFA-Präsident im nächsten Jahr gilt, hatte die beträchtlichen Einnahmen hervorgehoben, von denen ein Großteil an die 211 Mitgliedsverbände der FIFA verteilt werden soll. Dennoch wurde der Plan, Anteile an der Weltmeisterschaft zu verkaufen, von vielen als Schritt zu weit angesehen, was ihn nicht nur extern, sondern nun auch intern unter erheblichen Druck setzte.
In seiner Erklärung äußerte Infantino seine Absicht, die unterschiedlichen Ansichten zu überbrücken. „Für die Zukunft ist es meine Absicht, alle interessierten Parteien in den kommenden Tagen und Wochen im Geiste des gemeinsamen Interesses an unserem Spiel wieder zusammenzubringen, mit dem Ziel, den Fußball überall weiter zu fördern, insbesondere in den Ländern, die unsere Unterstützung am dringendsten benötigen“, sagte er.


