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Rekordbörse straft ab: Zalando und Adidas Opfer hoher Erwartungen

Rekordbörse straft ab: Zalando und Adidas Opfer hoher Erwartungen

In einer Woche, die von Rekordkursen an den globalen Börsen geprägt war, stachen zwei deutsche Dax-Konzerne mit unerwartet starken Kursverlusten hervor: Zalando und Adidas. Obwohl beide Unternehmen im abgelaufenen Quartal solide Geschäftszahlen vorlegten, reagierten die Märkte mit erheblichen Abschlägen. Die Zalando-Aktie verlor kurz nach Börsenstart am Dienstag bis zu 17 Prozent ihres Wertes, während Adidas wenige Tage zuvor einen Verlust von zeitweise bis zu 20 Prozent hinnehmen musste. Diese Entwicklung, die sich inmitten eines ansonsten stetig steigenden Marktes ereignete, wirft ein Schlaglicht auf einen ungewöhnlich anspruchsvollen Trend in der aktuellen Bilanzsaison.

Zalando: Wachstum reicht nicht aus

Der Onlinehändler Zalando präsentierte für das abgelaufene Quartal ein Umsatzwachstum von knapp 21 Prozent. Das bereinigte Betriebsergebnis konnte um zehn Prozent gesteigert werden. Darüber hinaus präzisierte das Management seine Prognose für das Gesamtjahr, indem es nun einen Umsatz in der unteren Hälfte der ursprünglich prognostizierten Spanne von zwölf bis 17 Prozent erwartet. Für das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) wird eine Spanne von 680 bis 720 Millionen Euro angestrebt, nachdem die vorherige Vorhersage bei 660 bis 740 Millionen Euro lag. Trotz dieser positiven Kennzahlen und der eingegrenzten, aber immer noch optimistischen Prognose, quittierten die Anleger die Meldung mit einem deutlichen Kursrückgang.

Adidas: Leichte Verfehlung mit großer Wirkung

Ähnlich erging es dem Sportartikelkonzern Adidas. Das Unternehmen meldete einen Quartalsumsatz, der um 14 Prozent auf den Rekordwert von 6,7 Milliarden Euro anstieg. Das operative Ergebnis verbesserte sich um fünf Prozent auf 574 Millionen Euro. Allerdings lag dieses Ergebnis leicht unter den Erwartungen der Analysten. Für das Gesamtjahr rechnet der Konzern nun vorsichtiger mit einem Umsatzplus von neun bis zehn Prozent, was darauf hindeutet, dass sich das Wachstum in der zweiten Jahreshälfte auf etwa sechs Prozent verlangsamen könnte. Konzernchef Bjørn Gulden zeigte sich angesichts der Marktreaktion ratlos: „Ich weiß es wirklich nicht, wir sind sehr überrascht.“ Er betonte, Adidas habe geliefert, was versprochen wurde, und das zweite Quartal sei besser gelaufen als erwartet.

Der übergeordnete Markttrend: Gut ist nicht gut genug

Die heftigen Kursreaktionen bei Zalando und Adidas sind laut Analysten weniger auf eine massive Enttäuschung bei den Geschäftszahlen zurückzuführen, sondern vielmehr auf eine übergeordnete Entwicklung in der aktuellen Bilanzsaison. Diese ist in Deutschland und den USA von einer außergewöhnlichen Stärke geprägt. Im Dax überraschten zahlreiche Konzerne mit unerwartet starken Ergebnissen, darunter Airbus, die Deutsche Bank und SAP. Viele Unternehmen, wie BASF, DHL, RWE und zuletzt Fresenius, hoben ihre Jahresprognosen an.

Auch an der Wall Street spiegelte sich dieser Trend wider. Dort haben inzwischen mehr als zwei Drittel der S&P-500-Konzerne ihre Ergebnisse präsentiert. Das Gewinnwachstum stieg um mehr als 40 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, analysierte, dass 85 Prozent der Unternehmen die Erwartungen übertrafen. Beide Zahlen sind ungewöhnlich hoch und zeugen von einem außerordentlich starken Gewinntrend.

Anleger ziehen Kapital ab und suchen Trend-Aktien

In einem solchen Umfeld, das von einer Fülle positiver Überraschungen geprägt ist, trifft es die wenigen Unternehmen, die (leicht) enttäuschende Ergebnisse liefern oder deren Prognosen nicht die ohnehin schon hohen Erwartungen übertreffen, besonders hart. Ein Frankfurter Händler beschreibt die Anlegermentalität: „Anleger ziehen ihr Geld ab und investieren es in Trend-Aktien, die gut laufen.“ Dies gelte insbesondere dann, wenn andere Unternehmen Quartalsergebnisse vorlegen, die über den bereits hohen Erwartungen liegen. Die Messlatte für „gut“ hat sich in dieser Bilanzsaison deutlich nach oben verschoben, und selbst solide Leistungen reichen nicht mehr aus, um die Gunst der Investoren zu gewinnen, wenn das Kapital in noch vielversprechendere Titel umgeschichtet werden kann.

Die Fälle von Zalando und Adidas illustrieren eindrücklich, dass in einem Boom-Markt, in dem die meisten Unternehmen die Erwartungen übertreffen, die Toleranz für auch nur geringfügige Abweichungen oder lediglich „gute“ Ergebnisse gegen null tendiert. Die Anleger scheinen derzeit nur an „exzellenten“ Nachrichten interessiert zu sein, was den Druck auf Unternehmen erhöht, nicht nur zu liefern, sondern die ohnehin schon hohen Erwartungen der Märkte zu übertreffen.

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