Der französische Finanzminister Roland Lescure hat eine deutliche Zunahme von Euro-basierten Stablecoins und tokenisierten Einlagen gefordert und die Notwendigkeit betont, dass Europa seine Abhängigkeit von nicht-europäischen Zahlungsanbietern verringert. Auf einer Kryptowährungskonferenz in Paris am Freitag, dem 17. April, äußerte Lescure seine Unzufriedenheit mit dem derzeit geringen Volumen an Euro-gebundenen Stablecoins im Vergleich zu ihren Dollar-gebundenen Pendants, wie Reuters berichtete.
Ministerielles Mandat für Euro-Stablecoins
In seinen vorab aufgezeichneten Kommentaren ermutigte Lescure die europäischen Banken nachdrücklich, die Entwicklung von Euro-basierten Stablecoins aktiv voranzutreiben und die Einführung von tokenisierten Einlagen zu prüfen. Dieser strategische Vorstoß zielt darauf ab, Europas finanzielle Autonomie in der digitalen Zahlungslandschaft zu stärken. Der Minister hob die bestehende Diskrepanz hervor und erklärte, dass das aktuelle Volumen an Euro-gebundenen Stablecoins „nicht zufriedenstellend“ sei, was die Dringlichkeit der Initiative unterstreicht.
Qivalis-Initiative: Ein konkreter Schritt
Eine bedeutende Entwicklung in dieser Richtung ist die Gründung von Qivalis, einem Unternehmen, das im Dezember 2025 von zehn der größten europäischen Banken ins Leben gerufen wurde. Qivalis soll in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 einen Euro-gebundenen Stablecoin einführen. Lescure sprach sich nachdrücklich für dieses Vorhaben aus und erklärte: „Das ist, was wir brauchen, und das ist, was wir wollen.“ Jan-Oliver Sell, CEO von Qivalis, formulierte bei der Ankündigung des Unternehmens die umfassendere Vision und betonte: „Ein nativer Euro-Stablecoin ist nicht nur eine Frage der Bequemlichkeit; es geht um monetäre Autonomie im digitalen Zeitalter.“ Diese Initiative stellt einen konkreten Versuch des europäischen Bankensektors dar, die Bedenken des Ministers aufzugreifen und zu einem autarkeren digitalen Finanzökosystem beizutragen.
Breitere europäische Ambitionen für digitale Währungen
Über Stablecoins hinaus bekräftigte Lescure auch seine Unterstützung für den laufenden Plan der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Entwicklung eines digitalen Euro. Dies steht im Einklang mit der umfassenderen Strategie der EZB, die Rolle des Zentralbankgeldes mit dem Wachstum der digitalen Wirtschaft zu bewahren und die Abhängigkeit von nicht-europäischen Zahlungsanbietern zu verringern. Piero Cipollone, Mitglied des EZB-Direktoriums, erklärte im Januar, dass Europa in Bezug auf Zahlungen autarker werden müsse, da Transaktionen immer stärker in digitale Kanäle verlagert würden. Er deutete an, dass der geplante digitale Euro, zusammen mit Initiativen für den Großzahlungsverkehr, der Eurozone die notwendigen Werkzeuge an die Hand geben würde, „um ihr Haus in Ordnung zu halten.“
Herausforderungen und Verzögerungen für den digitalen Euro
Obwohl das Europäische Parlament im Februar seine erste wichtige Billigung des digitalen Euro erteilte, was einen entscheidenden Schritt zur legislativen Genehmigung für sein angestrebtes Debüt im Jahr 2029 darstellt, war das Projekt nicht ohne Hürden. Die Initiative für den digitalen Euro stieß auf Widerstand verschiedener Bankengruppen, insbesondere in Deutschland. Dieser Widerstand hat zu einer Verlangsamung des Fortschritts geführt, wobei der Gesetzesentwurf nun seit zwei Jahren auf Eis liegt, eine deutlich längere Dauer als von der EZB ursprünglich erwartet. Trotz dieser Verzögerungen bleibt die strategische Notwendigkeit einer robusten, eurozentrischen digitalen Zahlungsinfrastruktur ein Hauptaugenmerk der europäischen Finanzbehörden.
Der kombinierte Vorstoß für Euro-basierte Stablecoins und die Entwicklung eines digitalen Euro unterstreicht die konzertierten Bemühungen Frankreichs und der gesamten Europäischen Union, eine größere Kontrolle über ihre digitale Finanzzukunft zu erlangen. Diese Initiativen sind entscheidende Schritte zur Förderung der monetären Autonomie und zur Verringerung externer Abhängigkeiten in einer zunehmend digitalisierten globalen Wirtschaft.


