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Investitionslücke wächst: Branche wirbt verstärkt um Frauen

Investitionslücke wächst: Branche wirbt verstärkt um Frauen

Die anhaltende Ungleichheit bei der Investitionsbeteiligung zwischen Männern und Frauen stellt den Finanzsektor weiterhin vor Herausforderungen, auch wenn Online-Broker ihre Bemühungen zur Einbindung weiblicher Anleger verstärken. Ein Bericht von Boring Money aus Mitte 2024 zeigte eine wachsende geschlechtsspezifische Investitionslücke im Vereinigten Königreich, wobei Männer fast 60 % der Anleger ausmachten, was zu einem erneuten Fokus der Branchenakteure führte.

Stephanie Wilks-Wiffen vom Online-Broker eToro hob diesen Katalysator hervor und merkte an, dass das Unternehmen daraufhin seine Kampagne ‚Loud Investing‘ startete, die darauf abzielt, Frauen zu bilden und zu befähigen, zu investieren. Diese Initiative ist Teil eines breiteren Branchentrends, wobei Wilks-Wiffen in den letzten sechs bis zwölf Monaten einen Anstieg weiblich geführter Initiativen in der gesamten Branche beobachtete, darunter neue Markenkampagnen, ‚Female Finance‘-Podcasts und Sponsorings von Frauensportteams.

Anhaltende Barrieren und historische Ausgrenzung

Frauen waren in der Welt der Investitionen lange Zeit unterrepräsentiert, eine Realität, die sich in aktuellen Statistiken widerspiegelt, wonach Männer etwa zwei Drittel der an der Börse ausgegebenen Aktien besitzen. Mehrere systemische Barrieren tragen zu dieser Lücke bei. Frauen verdienen im Allgemeinen weniger als Männer, was ihr verfügbares Einkommen für Investitionen begrenzt. Darüber hinaus erhalten sie in ihrer Kindheit oft weniger Finanzbildung, was im späteren Leben zu einer geringeren Finanzkompetenz führt.

Auch die historische Ausgrenzung spielt eine wichtige Rolle. Im Vereinigten Königreich beispielsweise waren Frauen bis Mitte der 1970er Jahre von den Handelsräumen der Londoner Börse ausgeschlossen und sahen sich bei der Inanspruchnahme von Finanzdienstleistungen einer weit verbreiteten Diskriminierung ausgesetzt, wobei Banken die Zustimmung eines Vaters oder Ehemanns selbst für die Eröffnung eines Kontos verlangten. Diese tief verwurzelten Probleme beeinflussen die Beteiligungsquoten bis heute.

Neue Narrative und die Stärken von Frauen beim Investieren

Um die Lücke zu schließen, beginnt die Finanzbranche, ihren Ansatz und ihre Botschaften neu zu kalibrieren. Wilks-Wiffen betont eine ‚einfache Verschiebung der Rhetorik‘ und plädiert für eine Sprache, die die Stärken von Frauen wie Geduld und Disziplin feiert und ein angenehmeres Umfeld schafft. eToro beispielsweise setzt mehr weibliche Moderatoren in seinen Online-Bildungsinhalten ein und geht auf die psychologischen Hürden ein, denen Erstanlegerinnen begegnen.

Professorin Ylva Baeckström, Dozentin für Finanzen am King’s College London, kritisiert die gängige Erzählung, dass die Risikoaversion und das mangelnde Selbstvertrauen von Frauen sie zurückhalten. Sie argumentiert, dass ‚es Übermut ist, der die Performance tötet‘, und merkt an, dass Männer eher dazu neigen, durch kurzfristigen Handel und überkonzentrierte Risikobereitschaft Geld zu verlieren. Tatsächlich, so Baeckström, ‚übertreffen Frauen Männer oft beim Investieren.‘ Dies wird durch eine Studie der Warwick Business School gestützt, die ergab, dass Frauen Männer beim Investieren um 1,8 Prozentpunkte übertreffen.

Christine Yu, Mitbegründerin des Finanzbildungsunternehmens Sophia, weist darauf hin, dass Frauen auch andere Investitionsprioritäten haben und oft nachhaltiger investieren sowie ESG-Faktoren berücksichtigen. ‚Frauen denken also auf eine ganz andere Weise über ihr Geld nach. Doch wir sehen nicht, dass diese Bedürfnisse bedient werden‘, erklärt Yu. Frauen sind auch eher bereit, Finanzberatung in Anspruch zu nehmen, insbesondere bei neuen Lebensabschnitten wie der Familienplanung, Scheidung oder Witwenschaft.

Der wirtschaftliche Imperativ für Inklusivität

Online-Broker und die gesamte Finanzdienstleistungsbranche haben ein klares finanzielles Interesse daran, Frauen besser in ihren Kundenstamm zu integrieren. Baeckström beschreibt die Erhöhung der Investitionsbeteiligung von Frauen als ein ‚Win-Win-Win-Szenario‘. Das Weltwirtschaftsforum schätzt, dass die Finanzdienstleistungsbranche ihren Umsatz um 700 Milliarden US-Dollar steigern könnte, wenn sie Frauen besser bedienen würde.

Darüber hinaus wird das Vermögen von Frauen voraussichtlich schnell wachsen, insbesondere in Asien, teilweise angetrieben durch den laufenden intergenerativen Vermögenstransfer, da Babyboomer Vermögen an ihre Kinder weitergeben. ‚Dies ist eine Chance für die Finanzdienstleistungsbranche‘, sagt Baeckström gegenüber der DW. ‚Sie müssen ihre Dienstleistungen für Frauen verbessern, denn sonst werden Frauen abwandern, und das tun sie oft, wenn sie Vermögen erben.‘

Diese Chance erstreckt sich über traditionelle Broker hinaus, mit einem Anstieg von Finanz-Influencern, oder Finfluencern, und Online-Investment-Communities, die speziell Frauen ansprechen. Yu deutet an, dass dies auf einen ungedeckten Bedarf hindeutet, warnt jedoch vor den Risiken von Fehlinformationen und Betrug aufgrund mangelnder Rechenschaftspflicht und regulatorischer Aufsicht bei Online-Beratung.

Jüngere Generationen: Ein Hoffnungsschimmer?

Obwohl die Gesamtkluft weiterhin erheblich ist, gibt es Anzeichen für Fortschritte bei jüngeren Generationen. Leah Zimmerer, Postdoktorandin an der Universität Mannheim, stellt fest, dass die geschlechtsspezifische Investitionslücke bei jüngeren Demografien geringer ist. Das Deutsche Aktieninstitut bestätigt diesen Trend in Deutschland und berichtet, dass im vergangenen Jahr mehr Frauen als Männer an der Börse investiert haben, obwohl absolut gesehen 5,4 Millionen Frauen im Vergleich zu 8,7 Millionen Männern investieren.

Jüngere Personen, insbesondere im Alter von 18 bis 30 Jahren, sind empfänglicher für Online-Broker. Das Deutsche Aktieninstitut identifiziert die unter 40-Jährigen als die Altersgruppe mit den meisten Investitionen in Deutschland. JP Morgan-Daten zeigen, dass die Börsenbeteiligung amerikanischer 25-Jähriger von 6 % im Jahr 2015 auf 37 % im Jahr 2024 gestiegen ist, angetrieben durch Inflation, hohe Lebenshaltungskosten und Sorgen um Rentenleistungen, sowie durch erhöhte Zugänglichkeit über E-Trading-Apps.

Experten warnen jedoch vor voreiligem Optimismus. Zimmerer warnt, dass eine erhöhte Investitionsbereitschaft junger Frauen nicht unbedingt über ihr ganzes Leben hinweg anhalten muss, und merkt an, dass sich die geschlechtsspezifische Investitionslücke typischerweise zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr vergrößert, wenn Frauen oft stärker in das Familienleben eingebunden sind und ihre Finanzen seltener selbst verwalten. Baeckström äußert ähnliche Skepsis: ‚Wir können uns nicht mit der Möglichkeit zufriedengeben, dass ein kurzfristiger Trend zu einem langfristigen Phänomen wird.‘ Die Überbrückung der geschlechtsspezifischen Investitionslücke erfordert daher nachhaltige, umfassende Verbesserungen, um die Bedingungen für Frauen in allen Lebensphasen wirklich anzugleichen.

Dieser Artikel wurde mithilfe von KI auf Basis öffentlich zugänglicher Finanzdaten erstellt. Die Informationen können Ungenauigkeiten enthalten. Dies ist keine Finanzberatung. Konsultieren Sie vor Anlageentscheidungen stets einen qualifizierten Finanzberater.
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