Die Preise für Rohöl und Benzin sind am Freitag stark gestiegen, wobei der Referenzwert für Juni-WTI-Rohöl (CLM26) um +4,25 (+4,20%) zulegte und Juni-RBOB-Benzin (RBM26) um +0,0962 (+2,67%) stieg. Dieser Anstieg trieb den Rohölpreis auf ein 1,5-Wochen-Hoch, hauptsächlich angetrieben durch wachsende Bedenken hinsichtlich einer anhaltenden Störung der globalen Versorgung, die aus dem andauernden US-Iran-Konflikt und der faktischen Schließung der kritischen Straße von Hormus resultiert.
Eskalierende Spannungen im Nahen Osten und Versorgungsengpässe
Der mangelnde Fortschritt bei den Verhandlungen zur Beendigung des US-Iran-Krieges bleibt der zentrale Katalysator für den jüngsten Preisanstieg. Sowohl die USA als auch der Iran haben die jüngsten Friedensvorschläge des jeweils anderen abgelehnt. Präsident Trump soll die Antwort des Iran als ‚Stück Müll‘ bezeichnet und erklärt haben, der aktuelle Waffenstillstand sei ‚auf der Intensivstation‘. Herr Trump warnte weiter: ‚Der Iran wird einen Deal machen oder dezimiert werden‘, und deutete am Montag an, dass die USA möglicherweise bereits diese Woche Operationen zur Begleitung von Handelsschiffen durch die Straße von Hormus mit Marine- und Luftunterstützung wieder aufnehmen könnten.
Dieser anhaltende Konflikt hat die Straße von Hormus praktisch geschlossen gehalten und die globalen Öl- und Kraftstoffengpässe verschärft. Etwa ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssigerdgases wird durch diese lebenswichtige Wasserstraße transportiert. Goldman Sachs schätzt, dass die Rohölproduktion im Persischen Golf um etwa 14,5 Millionen Barrel pro Tag (bpd) gekürzt wurde, was zu einem Abbau von fast 500 Millionen Barrel aus den globalen Rohölvorräten geführt hat. Diese Zahl könnte Berichten zufolge bis Juni eine Milliarde Barrel erreichen. Die Ölproduzenten am Persischen Golf waren gezwungen, ihre Produktion um etwa 6% zu kürzen, da die lokalen Lagerkapazitäten aufgrund der Schließung der Straße erschöpft sind. Die Internationale Energieagentur (IEA) berichtete am vergangenen Donnerstag, dass über 80 Energieanlagen während des Konflikts beschädigt wurden und die Wiederherstellung bis zu zwei Jahre dauern könnte.
Globale Bestandsreduzierung und Zukunftsaussichten
Die Internationale Energieagentur unterstrich in ihrem Monatsbericht vom Mittwoch die Schwere der Versorgungslage. Die IEA stellte fest, dass die weltweit beobachteten Ölbestände im März und April um etwa 4 Millionen bpd zurückgingen. Die Agentur prognostizierte, dass der Markt bis Oktober ’stark unterversorgt‘ bleiben würde, selbst unter dem optimistischen Szenario, dass der Konflikt im nächsten Monat endet. Dieser Ausblick stützt die Energiepreise erheblich und spiegelt die tiefgreifenden Auswirkungen des US-Iran-Krieges auf die globale Versorgungsstabilität wider.
OPEC+-Kurswechsel und Produktionsrealitäten
Trotz des bullischen geopolitischen Hintergrunds deutete sich ein potenziell bärischer Faktor durch OPEC-Delegierte an, die am Donnerstag erklärten, das Kartell strebe an, eine Reihe von Ölquotenerhöhungen in den nächsten Monaten fortzusetzen, um die Rückkehr der gestoppten Ölproduktion bis Ende September abzuschließen. Die Gruppe hatte zuvor vereinbart, etwa zwei Drittel der 2023 vorgenommenen Kürzung um 1,65 Millionen bpd wiederherzustellen und plante, den letzten Teil in drei weiteren monatlichen Schritten wiederzubeleben. Am 3. Mai kündigte OPEC+ eine Steigerung um 188.000 bpd im Juni an, nach einer Erhöhung um 206.000 bpd im Mai. Der Quellartikel merkt jedoch an, dass eine signifikante Produktionssteigerung nun ‚unwahrscheinlich erscheint‘, da die Produzenten im Nahen Osten aufgrund des regionalen Konflikts gezwungen sind, die Produktion zu drosseln. Diese Realität spiegelt sich in der OPEC-Rohölproduktion im April wider, die um -420.000 bpd auf ein 35-Jahres-Tief von 20,55 Millionen bpd fiel.
Der anhaltende Einfluss des Russland-Ukraine-Krieges
Eine weitere Schicht geopolitischen Risikos bildet der langwierige Krieg zwischen Russland und der Ukraine, der weiterhin bullischen Druck auf die Ölpreise ausübt. Ein jüngstes, von den USA vermitteltes Treffen in Genf zur Beendigung des Konflikts wurde vorzeitig beendet, wobei der ukrainische Präsident Selenskyj Russland vorwarf, den Krieg absichtlich in die Länge zu ziehen. Russland beharrt darauf, dass die ‚territoriale Frage‘ ungelöst bleibt und sieht ‚keine Hoffnung auf eine langfristige Einigung‘, solange seine Forderungen nach ukrainischem Territorium nicht erfüllt werden. Dieser andauernde Konflikt stellt sicher, dass die Beschränkungen für russisches Rohöl bestehen bleiben, was die globalen Vorräte weiter verknappt.
Ukrainische Drohnen- und Raketenangriffe haben in den letzten zehn Monaten mindestens 30 russische Raffinerien ins Visier genommen, was Russlands Rohölexportkapazitäten erheblich einschränkt. Allein im April gab es mindestens 21 ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien, Exportterminals und Ölpipeline-Infrastruktur, wodurch Russlands durchschnittliche Raffinerieläufe auf 4,69 Millionen bpd sanken, den niedrigsten Stand seit 16 Jahren, laut Bloomberg-Daten. Darüber hinaus drosseln US-amerikanische und EU-Sanktionen gegen russische Ölunternehmen, Infrastruktur und Tanker weiterhin die russischen Ölexporte.
US-Marktdynamik
In den Vereinigten Staaten zeigt die jüngste Datenlage ein gemischtes Bild. Der EIA-Bericht vom Mittwoch für den 8. Mai zeigte, dass die US-Rohölbestände -0,3% unter dem saisonalen 5-Jahres-Durchschnitt lagen, die Benzinbestände -4,3% darunter und die Destillatbestände -9,4% unter dem 5-Jahres-Saisondurchschnitt. Während die US-Rohölproduktion in der Woche zum 8. Mai Woche für Woche um +1,0% auf 13,710 Millionen bpd stieg, lag sie leicht unter dem Rekordhoch von 13,862 Millionen bpd, das in der Woche vom 7. November verzeichnet wurde. Baker Hughes berichtete am Freitag, dass die Anzahl der aktiven US-Ölbohrinseln in der Woche zum 15. Mai um +5 auf 415 Rigs stieg, leicht über dem 4,25-Jahres-Tief von 406 Rigs in der Woche zum 19. Dezember. In den letzten 2,5 Jahren ist die Anzahl der US-Ölbohrinseln jedoch stark von ihrem 5,5-Jahres-Hoch von 627 Rigs im Dezember 2022 gefallen. Separat meldete Vortexa am Montag, dass die auf Tankern gelagerten Rohölmengen, die mindestens sieben Tage lang stationär waren, in der Woche zum 8. Mai um -33% Woche für Woche auf 103,90 Millionen Barrel fielen.
Das Zusammentreffen eskalierender geopolitischer Spannungen im Nahen Osten, die anhaltenden Auswirkungen des Russland-Ukraine-Krieges auf die Versorgung und ein globaler Bestandsabbau deuten darauf hin, dass die Rohölpreise wahrscheinlich erhöht bleiben werden. Trotz einiger Anzeichen für potenzielle OPEC+-Produktionssteigerungen zeichnet die unmittelbare Realität der erzwungenen Produktionskürzungen im Persischen Golf und eine anhaltende Nachfrage bei begrenztem Angebot ein Bild anhaltender Marktknappheit.


