Weltwirtschaft

Portugals Weltraum-Wachstum: Azoren-Raumhafen treibt €200-Mio-Industrie an

Portugals Weltraum-Wachstum: Azoren-Raumhafen treibt €200-Mio-Industrie an

Portugal entwickelt sich rasch zu einem bedeutenden Akteur im europäischen Weltraumsektor, indem es seine strategische Atlantiklage und einen wachsenden Pool an Ingenieurstalenten nutzt. Der Bau eines neuen Raumhafens auf der Azoreninsel Santa Maria steht im Mittelpunkt dieses Bestrebens und positioniert die Nation als kostengünstigen Start- und Landeplatz für kleinere Satelliten und wiederverwendbare Kapseln. Die Weltraumindustrie des Landes erwirtschaftete bereits im vergangenen Jahr einen Umsatz von 200 Millionen Euro.

Die Azoren: Europas neues Weltraumtor

Die abgelegene Insel Santa Maria im Azoren-Archipel wird zu einem Brennpunkt für Portugals Weltraumambitionen. Hier entsteht ein neuer Raumhafen, der nicht darauf ausgelegt ist, mit großen Einrichtungen wie dem US-amerikanischen Cape Canaveral zu konkurrieren, sondern als entscheidende, kostengünstige Ergänzung zum bestehenden europäischen Raumhafen Kourou in Französisch-Guayana zu dienen. Bruno Carvalho vom Raumhafenbetreiber ASC betont dessen Rolle als ‘kostengünstiger Startplatz für kleinere Raketen mit kleineren Satelliten innerhalb der EU, was strategisch wichtig ist.’ Die Atlantiklage bietet einen entscheidenden Vorteil, da Raumfahrzeuge sicher im Ozean landen können, ohne eine potenzielle Gefahr für bewohnte Gebiete darzustellen. Der Betrieb des Raumhafens wird voraussichtlich 35 Mitarbeiter umfassen, sobald er vollständig eingerichtet ist, was ein kleineres, wirtschaftlicheres Modell im Vergleich zu größeren internationalen Standorten widerspiegelt. Bedeutende Meilensteine stehen bereits bevor; das europäische Raumflugzeug Space Rider soll 2028 auf Santa Maria landen und dabei die alte, selten genutzte Landebahn aus dem Zweiten Weltkrieg nutzen. Darüber hinaus ist für 2030 ein Raketenstart geplant, der ‘einen südkoreanischen Satelliten in die Umlaufbahn bringen’ soll, so Ivo Vieira von AED Cluster Portugal. Noch früher haben die portugiesischen Behörden die erste EU-Wasserlandung für die Transportraumkapsel Phoenix 2.1 genehmigt, möglicherweise noch in diesem Jahr. Marta Oliveira, Mitbegründerin des deutschen Raumlogistikunternehmens ATMOS Space Cargo, deren Vorhaben sie scherzhaft als ‘das FedEx des Weltraums’ bezeichnet, merkt an, dass der ASC-Raumhafen die Logistik erleichtern und sich mit den lokalen Behörden abstimmen wird, was ‘ideal für uns’ ist. Carvalho erwartet auch, dass der Raumhafen lokale Ressourcen nutzen wird, in der Hoffnung, dass er ‘junge Leute, die die Insel verlassen haben, zurückbringen’ kann.

Aufbau eines Weltraumindustrie-Ökosystems

Portugals Einstieg in den Weltraumsektor wird durch konzertierte Anstrengungen zum Aufbau robuster Humankapital- und Industriekapazitäten untermauert. Ricardo Conde, Präsident der 2019 gegründeten portugiesischen Raumfahrtagentur, hebt die Fortschritte des Landes hervor: ‘Portugal hat sich in den letzten 20 Jahren erheblich modernisiert. Unsere Universitäten bilden hervorragende Ingenieure aus. Wir haben Humankapital geschaffen, auf das wir aufbauen können.’ Diese Investition in Talente hat sich in einer aufstrebenden Industrie niedergeschlagen, in der heute etwa 80 verschiedene Unternehmen rund 2.000 hochqualifizierte Mitarbeiter im ganzen Land beschäftigen. Die finanziellen Auswirkungen sind spürbar: Der Sektor erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von 200 Millionen Euro (232,5 Millionen US-Dollar), und für das laufende Jahr wird laut Conde eine noch höhere Produktivität erwartet. Dieses Wachstum ist untrennbar mit dem strategischen Vorteil der Azoren verbunden, den Conde als ‘ein weiteres Ass im Ärmel’ bezeichnet.

Spezialisierung auf kompakte Satellitentechnologie

Ein entscheidender Bestandteil der portugiesischen Weltraumstrategie ist die Entwicklung und Produktion kompakter Satelliten. Ricardo Conde bestätigt, dass ‘drei portugiesische Zentren diese entwickeln.’ Dazu gehören das CEiiA-Konsortium in Porto, das multinationale Unternehmen Open Cosmos an der Universität Coimbra und eine dritte Einrichtung in Lissabon, die hauptsächlich mit den Streitkräften zusammenarbeitet. Diese Satelliten sind für eine Reihe von Anwendungen konzipiert – kommerziell, militärisch und gemischt – und umfassen Kommunikation, Erd- und Ozeanbeobachtung sowie neuerdings auch die Brandbekämpfung. CEiiA, ein Konsortium, das auch in der Mobilitäts- und Flugzeugtechnologie tätig ist, macht erhebliche Fortschritte. Andre Dias, verantwortlich für die Downstream-Division von CEiiA, erklärt: ‘Wir sind 2018 in den Weltraumsektor eingestiegen. Unser Ziel ist es, eine Industrie für hochauflösende Satelliten zu entwickeln.’ Um dies zu erreichen, plant CEiiA die Einrichtung einer Forschungs- und Entwicklungseinrichtung in Nordportugal, nahe der Stadt Guimaraes, in Partnerschaft mit der Stadt und der dortigen Universität, um ‘unsere Produktionskapazität um den Faktor vier oder fünf zu erhöhen.’ Derzeit verfügt CEiiA über die Kapazität, jährlich vier zivile Satelliten mit einem Gewicht von bis zu 500 Kilogramm zu bauen. Dias bemerkt eine stetig wachsende Nachfrage und glaubt, dass eine erweiterte Kapazität die Tür zu weiteren internationalen Verträgen öffnen könnte. Er sieht diese Spezialisierung als Teil einer breiteren ‘Demokratisierung der Raumfahrt’, bei der kleinere Nationen wie Portugal Nischen besetzen und sich auf ‘kleine Satelliten konzentrieren, die zwischen 20 und 30 Millionen Euro kosten, nicht die großen, die bis zu 500 Millionen Euro kosten können.’

Trotz der Spezialisierung auf kompakte Einheiten sind die langfristigen Ziele der portugiesischen Raumfahrtagentur ehrgeizig. Präsident Ricardo Conde skizziert ein klares Ziel: ‘Wir werden bis 2030 30 Satelliten im Weltraum haben, einige davon in Zusammenarbeit mit Spanien.’ Diese Expansion ist nicht nur national; Portugal strebt an, ‘internationale Akteure nach Portugal zu holen, um mit ihnen zusammenzuarbeiten, und baut auf europäischen Initiativen auf.’ Auch der militärische Sektor wird in diesen Plänen als zunehmend wichtiges Gebiet anerkannt. Dieser strategische Fokus auf Zusammenarbeit und Nischenspezialisierung positioniert Portugal, um eine eigenständige und wirtschaftlich tragfähige Rolle in der sich entwickelnden globalen Weltraumwirtschaft zu sichern.

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Tags: azores spaceport Economic Development european space portugal space satellite industry

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