BERLIN – Der SuperReturn Private-Equity-Gipfel in Berlin, der Investoren mit einem verwalteten Vermögen von über 50 Billionen US-Dollar (43 Billionen Euro) zusammenbringt, ist zum Brennpunkt intensiver Proteste von Aktivisten geworden. Diese werfen der Branche vor, Ungleichheit zu verschärfen, Arbeitsplatzabbau voranzutreiben und Kosten in die Höhe zu treiben. Die Gruppe ‘NoSuperReturn’ initiierte eine einwöchige Demonstrationsreihe, um die hochriskanten Finanzpraktiken, die in den Konferenzsälen diskutiert werden, direkt anzuprangern.
Aktivisten Fordern Wirtschaftlichen Ausgleich
Die Proteste begannen vor dem U-Bahnhof Wittenbergplatz, wo die Aktivistin Hedda darauf hinwies, dass die Mehrheit der Superreichen in Deutschland ihr Vermögen geerbt hat. Sie zitierte eine Analyse, wonach nur jeder vierte Milliardär im Land Selfmade ist. ‘Welche Steuer kann die Regierung nutzen, um diesen übermäßigen Reichtum, der durch die genetische Lotterie entstanden ist, fair umzuverteilen?’, fragte Hedda, woraufhin ein Teilnehmer rief: ‘Erbschaftssteuer!’ Die Aktivisten, begleitet von einem Eisbären in einem rosa Umhang, jubelten und verteilten goldene Schokoladenmünzen.
Im Laufe der Woche eskalierten die Demonstrationen. Am dritten Tag erklärten Aktivisten den Bereich vor dem Konferenzhotel zur ‘giftigen Zone’. Einige trugen gelbe Schutzanzüge und Gasmasken, während andere in Anzügen auf der Straße lagen, als wären sie tot – Symbole für ‘Opfer eines Wirtschaftssystems, das Profit über das Leben stellt’. Die Polizei schritt umgehend ein, um den Bereich zu räumen. Dominik Lange, ein Sprecher der NoSuperReturn-Gruppe, formulierte das übergeordnete Ziel der Gruppe: ‘Wir wollen einen Mentalitätswandel… Für eine Wirtschaft, die ein gutes Leben für alle sichert.’ Beim letzten Protest versammelten sich etwa 200 Menschen in der Nähe der Konferenz und machten so viel Lärm wie möglich, während sie durch die Straßen zogen. Unter ihnen waren ein Drachen-Puppet, der Eisbär mit dem rosa Umhang und drei aufgeblasene Elefanten mit einem Banner, auf dem stand: ‘Der Elefant im Raum: Besteuerung der Reichen.’
Die Funktionsweise von Private Equity und seine Kritiker
Im Kern sammeln Private-Equity-Firmen Kapital von Pensionsfonds, Versicherungsgesellschaften, Banken und wohlhabenden Einzelpersonen. Dieses Kapital wird dann verwendet, um Unternehmen mit dem expliziten Ziel zu erwerben, sie innerhalb von drei bis fünf Jahren mit erheblichen Renditen weiterzuverkaufen, die oft über den typischen Börsengewinnen liegen. Eine Schlüsselmethode ist der Leveraged Buyout, bei dem Akquisitionen typischerweise mit 30% bis 40% Eigenkapital und beträchtlichen 60% bis 70% Fremdkapital finanziert werden. Dies bedeutet, dass die Private-Equity-Firma selbst nur einen kleinen Anteil beisteuert und größtenteils mit ‘dem Geld anderer Leute’ spielt, wie Rosemary Batt, emeritierte Professorin für Personalwesen an der Cornell University, bemerkte.
Zur Maximierung der Renditen werden die erworbenen Unternehmen häufig umstrukturiert, was Personalabbau, den Verkauf von Vermögenswerten und die Aufnahme großer Schuldenmengen umfassen kann. Batt, die seit über 15 Jahren Private-Equity-Operationen untersucht, betonte die inhärente Risikodynamik: ‘Sie gehen Risiken mit dem Geld anderer Leute ein. Sie gewinnen auf der Oberseite… Sie verlieren nicht auf der Unterseite.’ Sie hob auch ein häufiges Problem auf der SuperReturn-Konferenz selbst hervor: den ‘Exit-Backlog’ oder die Herausforderung, erworbene Unternehmen zum höchsten Preis zu verkaufen.
Wirtschaftliche Auswirkungen und Sektorale Bedenken
Batt argumentiert, dass die von Private Equity angewandten Methoden der Wertabschöpfung nachteilige Auswirkungen auf Unternehmen, Arbeitnehmer, Kunden und die Gesamtwirtschaft haben können. ‘Die Gewinne von Unternehmen, von produktiven Unternehmen, fließen in die Taschen von Finanzakteuren und werden nicht wieder in die Unternehmen investiert, um ihnen zu helfen, zu wachsen, innovativ zu sein und im Wettbewerb gut dazustehen’, sagte sie gegenüber der DW. Obwohl Private Equity in fast jedem Markt präsent ist, sind seine Praktiken im Gesundheits- und Altenpflegesektor laut Batt besonders besorgniserregend, da Firmen oft mehr Wert entnehmen, als sie investieren.
Ein bemerkenswertes Beispiel ist Alloheim, Deutschlands größte privat geführte Pflegeheimkette. Alloheim wurde zweimal zwischen Private-Equity-Firmen weitergereicht – zuerst von Star Capital Partners an die Carlyle Group und dann 2017 an Nordic Capital. Nordic Capital leitete später einen Verkauf an eine Investmentbank ein, der 2024 aufgrund schwieriger Marktbedingungen gestoppt wurde, was das Problem des ‘Exit-Backlogs’ verdeutlicht.
Volatilität als Chance: Die Perspektive der Branche
Trotz externer Kritik und Marktproblemen herrschte auf der SuperReturn-Konferenz eine andere Stimmung. Die Panelisten betrachteten die Marktvolatilität häufig als Chance. ‘Volatilität ist unser Freund’, bemerkte ein Teilnehmer und verwies auf verschiedene neue Investitionsmöglichkeiten. Ein anderer Panelist verglich die letzten Jahre mit den ‘Hunger Games’, unter Bezugnahme auf die COVID-19-Pandemie, Russlands Invasion in der Ukraine, Spannungen im Nahen Osten und Bedenken hinsichtlich der Straße von Hormus.
Ein ‘Lichtblick’, der von einem Manager eines deutschen Private-Equity-Fonds identifiziert wurde, war die deutsche Verteidigungsindustrie, die er aufgrund erheblicher staatlicher Mittel, die voraussichtlich weitere 10 bis 20 Jahre fließen werden, als ‘Segen für Investoren’ bezeichnete. Eine amerikanische Firma, die seit Jahrzehnten in Verteidigungsaufträge involviert ist, berichtete, ihr investiertes Geld in diesem Sektor verdreifacht zu haben, was das Potenzial für hohe Renditen in spezifischen, staatlich unterstützten Bereichen unterstreicht.
Leistung unter der Lupe
Batts Forschung stellt jedoch die Erzählung von konstant exorbitanten Renditen in Frage. Sie stellt fest, dass ‘der Medianfonds seit dem Jahrgang 2006 den Aktienmarkt nicht geschlagen hat.’ Darüber hinaus zeigen ihre Ergebnisse, dass Unternehmen, die von Private-Equity-Übernahmen betroffen sind, eine um etwa 20% höhere Insolvenzrate aufweisen als durchschnittliche börsennotierte Unternehmen. Diese Daten deuten auf ein nuancierteres Bild der finanziellen Performance von Private Equity und seiner Auswirkungen auf die Unternehmensstabilität hin.
Der Berliner Gipfel verdeutlichte somit einen starken Kontrast zwischen dem Streben der Private-Equity-Branche nach hochrentierlichen Investitionen, oft unter Einsatz erheblicher Schulden und Umstrukturierungen, und der wachsenden öffentlichen und akademischen Prüfung ihrer gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen, insbesondere hinsichtlich Vermögensverteilung, Arbeitsplatzsicherheit und der langfristigen Gesundheit erworbener Unternehmen.


