Die Vereinigten Staaten stehen an der Schwelle zu einem bedeutenden wirtschaftlichen Wandel, da schätzungsweise sechs Millionen „Babyboomer“-Unternehmensinhaber bis 2035 in den Ruhestand treten werden. Dieser bevorstehende „Silber-Tsunami“, wie er von einigen Kommentatoren genannt wird, erzeugt laut einem Bericht der Unternehmensberatung McKinsey eine „einmalige Welle von Eigentümerwechseln“. Während traditionelle Verkäufe an externe Käufer oder Private-Equity-Firmen weiterhin üblich sind, entscheidet sich eine wachsende Zahl von Unternehmern für eine weniger konventionelle, aber zunehmend attraktive Ausstiegsstrategie: den Verkauf ihrer Unternehmen an ihre Mitarbeiter.
Der wachsende Trend des Mitarbeiterbesitzes
Dieser Trend zeigt sich beispielhaft bei Unternehmen wie Softstar Shoes in Oregon, dessen Belegschaft im Januar das Eigentum übernahm. Die frühere Alleineigentümerin und Geschäftsführerin Tricia Salcido, 56, entschied sich für den Verkauf an ihre 30 Mitarbeiter, da sie ihren eigenen Ruhestand plant. Salcido beobachtet bei ihren nunmehrigen Mitarbeitereigentümern eine „neu entdeckte Begeisterung für die Ressourcennutzung und Gewinnsteigerung“ und bemerkt: „Ich erhalte persönliche E-Mails von Mitarbeitern, die fragen: ‚Haben Sie schon an diese Idee gedacht?‘“ Diese „Geschäftseinblicke, die zuvor nicht vorhanden waren“, unterstreichen einen wesentlichen Vorteil. Eine Studie aus dem Jahr 2025 besagt, dass jährlich bis zu 600 US-Firmen an ihre Mitarbeiter verkauft werden. Diesen Trend unterstützt der Anstieg der für solche Deals verfügbaren Investitionsmittel um 78 % im letzten Jahr, von 500 Millionen US-Dollar im Jahr 2024 auf 865 Millionen US-Dollar, was auf eine erhöhte Marktaktivität in diesem Sektor hindeutet.
Motivationen jenseits finanzieller Erträge
Für viele ausscheidende Eigentümer ist die Entscheidung, an Mitarbeiter zu verkaufen, tief in dem Wunsch verwurzelt, ihr Erbe zu bewahren und ihre Belegschaft zu schützen. Tricia Salcido war beispielsweise überzeugt, dass ein kostenbewusster Unternehmenskäufer die handwerkliche Schuhproduktion ihres Unternehmens aus den USA verlagern würde. „Es ist etwas, in das man sein Lebenswerk gesteckt hat… die meisten Kleinunternehmer kümmern sich wirklich“, erklärt sie. Dieses Gefühl teilt William Stockwell, der Stockwell Elastomerics, einen 1919 von seinem Urgroßvater gegründeten Hersteller von Industriekomponenten aus Philadelphia, an seine Mitarbeiter verkaufte. Stockwell erlebte die negativen Auswirkungen externer Übernahmen und stellte fest: „Die neue [externe] Eigentümerschaft könnte das Geschäft verlagern, es schließen oder drastisch auf andere Weise verändern, und die verbleibenden Mitarbeiter stecken fest.“ Ethan Rouen, außerordentlicher Professor an der Harvard Business School, bemerkt, dass ein solcher Schritt „oft Eigentümer anspricht, denen ihre Mitarbeiter sehr am Herzen liegen und die sich Sorgen machen, was nach einem Verkauf an ein größeres Unternehmen oder eine Private-Equity-Firma passieren würde.“
Mechanismen des Mitarbeiterbesitzes
Die USA bieten mehrere strukturierte Wege für den Mitarbeiterbesitz. Softstar Shoes nutzte einen Employee Ownership Trust (EOT). Bei einem EOT wird ein Trust eingerichtet, der das Unternehmen im Namen der Mitarbeiter besitzt, wodurch diese das Geschäft nicht aus eigener Tasche kaufen müssen. Der frühere Eigentümer erhält dann den vereinbarten Verkaufspreis in Raten, die als Anteil an zukünftigen Gewinnen gezahlt werden. Dieses Modell bedeutet, dass Salcido „das Risiko trägt, dass ich bei einem Zwischenfall nicht bezahlt werde“, doch sie vertraut ihrem Team. Die Mitarbeiter erhalten zudem einen Anteil an den jährlichen Gewinnen.
William Stockwell entschied sich für einen Employee Stock Ownership Plan (ESOP), die gängigste Methode für solche Übergänge in den USA. Auch bei ESOPs wird das Unternehmen in Trust-Besitz überführt, doch anstatt jährliche Gewinne zu teilen, erwerben die Mitarbeiter Anteile, die sie erst beim Verlassen des Unternehmens einlösen können. Wie bei EOTs erhält der ausscheidende Eigentümer Zahlungen über einen längeren Zeitraum; Stockwell räumt ein, ein „kurzfristiges finanzielles Opfer“ zu bringen, indem er Zahlungen über 10 Jahre akzeptiert. Im Jahr 2023, dem jüngsten verfügbaren Datenjahr, gab es 6.609 Unternehmen unter einer ESOP-Struktur, die 10,9 Millionen Menschen beschäftigten und ein Gesamtvermögen von über 2 Billionen US-Dollar (1,5 Billionen Pfund) hielten. Eine dritte, weniger verbreitete Methode ist die Arbeitergenossenschaft, bei der die Arbeiter direkt einen Anteil am Unternehmen erwerben.
Vorteile und Herausforderungen
Forschungsergebnisse zeigen durchweg, dass Unternehmen in Mitarbeiterbesitz produktiver sein, eine geringere Wahrscheinlichkeit von Personalabbau aufweisen und tendenziell höhere Löhne zahlen können. Über diese operativen Vorteile hinaus demokratisiert der Mitarbeiterbesitz die Vermögensbildung. Harvards Rouen bekräftigt: „Der einzige Weg, in diesem Land wirklich Wohlstand zu schaffen, ist durch den Besitz von Kapital. Und dies ist ein Weg, dies zu demokratisieren.“ Er bemerkt auch die Attraktivität für jüngere Arbeitnehmer, die von traditionellen Unternehmensstrukturen „desillusioniert“ sind.
Diese Schemata sind jedoch nicht ohne Komplexität. Sowohl EOT- als auch ESOP-Strukturen sind „zweifellos komplexer einzurichten als ein einfacher, traditioneller Unternehmensverkauf“, was, kombiniert mit der längeren Wartezeit auf die Zahlung und dem erhöhten Risiko für den Verkäufer, einige Eigentümer abschrecken kann. Ein erhebliches Hindernis ist auch die allgemeine „mangelnde Kenntnis, dass diese Schemata überhaupt existieren“, wie Salcido betont. Paul Silvis, 71, der gerade sein Fertigungsunternehmen SilkoTek Corporation an seine Mitarbeiter verkauft, ist von seiner Entscheidung überzeugt, doch William Stockwell warnt, dass Eigentümer „frühzeitig mit der Planung beginnen müssen für einen Prozess, der Jahre dauern kann. Es ist nichts, womit man in dem Jahr beginnen möchte, in dem man in den Ruhestand gehen will.“
Trotz der inhärenten Komplexität und der Notwendigkeit einer sorgfältigen Frühplanung entwickelt sich das Umfeld für den Mitarbeiterbesitz positiv. Ethan Rouen hebt den wachsenden politischen Willen in Washington hervor, den Prozess zu vereinfachen, wobei die US-Regierung ihn aktiv durch Initiativen wie die neue Employee Ownership Initiative des Arbeitsministeriums fördert. Eine parteiübergreifende Unterstützung im Kongress zielt darauf ab, „Wege zu finden, den Verkauf an Mitarbeiter zu einer einfacheren und realistischeren Option für Geschäftsinhaber zu machen.“ Diese konzertierte Anstrengung deutet darauf hin, dass die kommenden Jahre wahrscheinlich „mehr erfolgreiche Übergänge in Mitarbeiterbesitz“ erleben werden, was eine robuste und sozial verantwortliche Alternative für die Millionen von US-Geschäftsinhabern bietet, die sich darauf vorbereiten, ihr Lebenswerk zu übergeben.


