Wirtschaft

Irans Krieg: Eine neue globale Handelskrise?

Irans Krieg: Eine neue globale Handelskrise?

Die eskalierenden Spannungen im Iran und die Störung kritischer Schifffahrtswege veranlassen eine scharfe Neubewertung der globalen Handelsanfälligkeiten. Einige Experten deuten an, dass der Konflikt Lieferketten grundlegender umgestalten könnte als die COVID-19-Pandemie. Unternehmen priorisieren zunehmend die Widerstandsfähigkeit und gehen über Just-in-Time-Modelle hinaus zu einem ‚Just-in-Case‘-Ansatz über, um zukünftige geopolitische Risiken zu mindern.

Energie und Rohstoffe unter Druck

Irans Handlungen, einschließlich der Schließung der Straße von Hormuz, haben Schockwellen durch die globalen Energiemärkte gesendet. Die Internationale Energieagentur berichtete, dass der Verlust von rund 10% des weltweiten Ölangebots und eines Fünftels des globalen Flüssigerdgases (LNG) im letzten Monat die größte Störung in der Geschichte des globalen Energiemarktes darstellte. Dieser akute angebotsseitige Schlag, der sich auf Energie und Rohstoffe konzentriert, steht im Gegensatz zum breiteren Nachfrageschock der Pandemie und den anhaltenden Verschiebungen in den Lieferketten, die durch die Handelstarife des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump ausgelöst wurden.

Sebastian Janssen, Partner bei Oliver Wyman, einer globalen Unternehmensberatung, hob die Ähnlichkeiten in den Auswirkungen trotz unterschiedlicher Schockarten hervor. „COVID legte die Überabhängigkeit von einem Produktionszentrum offen, während Hormuz die Überabhängigkeit von einem Transportkorridor und von Energie-Inputs offenbarte“, sagte Janssen gegenüber DW. Während der Pandemie kam es zu Fabrikschließungen und Hafenstaus, die Energiepreise blieben jedoch relativ stabil. Die aktuelle Situation hat jedoch zu explodierenden Energiepreisen geführt, während der Nicht-Energiehandel bisher besser dastand.

Resilienz in einer volatilen Welt neu denken

Die Lieferkettenexpertin Lisa Anderson, Präsidentin der LMA Consulting Group, glaubt, dass die Krisenserie die Risikobewertung von Unternehmen grundlegend verändert hat. „COVID brachte Unternehmen an den Punkt, an dem sie erkannten, dass sie sich nicht mehr darauf verlassen können, dass die Lieferung eintrifft, wenn sie sie brauchen“, erklärte Anderson. „Der Iran-Krieg zeigt, dass dies kein einmaliges Ereignis war.“

Der Anstieg der Öl-, Gas- und Düngemittelpreise hat bereits Regierungen gezwungen, ihre Inflationsprognosen zu überarbeiten, da die Gefahr weiterer Störungen im Warenverkehr droht. Reedereien sind erneut gezwungen, kostspielige Umleitungen vorzunehmen, ähnlich wie während der Angriffe im Roten Meer 2023/24. Tanker und Gastanker nehmen nun lange Umwege um das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika, was Tausende von Seemeilen und bis zu zwei Wochen zu den Fahrten hinzufügt. Die Kaskoprämien für Schiffe im Nahen Osten sind ebenfalls gestiegen und verteuern jeden Transit um Millionen von Dollar, was sich wiederum in höheren Preisen für Energie, Chemikalien und Industriegüter niederschlägt.

Permanente Veränderungen im Welthandel?

Die vollständigen Auswirkungen der aktuellen Störungen sind noch nicht absehbar. Janssen warnte, dass sich die Auswirkungen der Knappheit durch mehrstufige Lieferketten ziehen und erst vollständig sichtbar werden, sobald die Straße von Hormuz wieder geöffnet ist. Eine Umfrage von Allianz Trade unter 6.000 Unternehmen in 13 Ländern ergab, dass fast zwei Drittel besorgt über weitere Lieferkettenunterbrechungen und höhere Energie- und Rohstoffpreise aufgrund des Krieges sind. Dies hat zu einer Beschleunigung von Plänen für Reshoring oder Nearshoring geführt, also die Verlagerung von Produktion und Zulieferern näher an den Heimatmarkt oder in stabilere Nachbarländer, ein Trend, der in Europa besonders ausgeprägt ist.

Geopolitische Risiken, einschließlich Kriege und Zölle, sind nun für zwei Drittel der Unternehmen das Hauptanliegen, ein deutlicher Anstieg seit 2025. Unternehmen, die stark von China abhängig waren, verfolgen zunehmend einen ‚+1‘- oder ‚+2‘-Ansatz und fügen ihrer Lieferkette mindestens ein zusätzliches Land hinzu, um Risiken zu mindern. Indien, Indonesien, Vietnam und Malaysia profitieren am meisten, während auch das Interesse an Europa als Produktionsstandort wächst.

Das ‚Just-in-Time‘-Produktionsmodell wird zunehmend durch einen ‚Just-in-Case‘-Ansatz ersetzt. Fabriken bauen Lagerbestände wieder auf, wobei die Sicherheitslagerhaltung laut dem Global Supply Chain Volatility Index des Softwaregiganten GEP im März 2026 den höchsten Stand seit drei Jahren erreicht hat. Dies spiegelt die Reaktionen während der Pandemie und unter Trumps Zöllen wider, als Unternehmen versuchten, sich gegen Unsicherheit und potenzielle Engpässe abzusichern.

Während sich Unternehmen auf eine Zukunft vorbereiten, die potenziell von weiteren geopolitischen Schocks geprägt ist, von Spannungen um Taiwan bis hin zu Instabilität auf der koreanischen Halbinsel, wird Widerstandsfähigkeit neu definiert. Dies erfordert Flexibilität, Redundanz und stärkere strategische Partnerschaften im gesamten Liefernetzwerk. John Sfakianakis, Leiter der Wirtschaftsforschung beim saudischen Gulf Research Center, argumentiert, dass Anfälligkeit heute weniger von Abhängigkeit als vielmehr von „Widerstandsfähigkeit über vernetzte Systeme“ wie Energie, Finanzen, Logistik und politischem Zusammenhalt abhängt. Der Iran-Krieg, so seine Einschätzung, ist ein Stresstest für das internationale System unter Druck und könnte eine neue Ära der globalen Handelsdynamik einläuten.

Dieser Artikel wurde mithilfe von KI auf Basis öffentlich zugänglicher Finanzdaten erstellt. Die Informationen können Ungenauigkeiten enthalten. Dies ist keine Finanzberatung. Konsultieren Sie vor Anlageentscheidungen stets einen qualifizierten Finanzberater.
Schlagworte: Energiemärkte Geopolitik Globaler Handel Iran Lieferketten

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