Chinas Verbraucherinflation verharrte im Mai unerwartet auf der Stelle und blieb hinter den Prognosen von Ökonomen zurück, während die Fabrikpreise den schnellsten Anstieg seit fast vier Jahren verzeichneten. Diese Divergenz verdeutlicht die Auswirkungen steigender Rohstoffkosten auf die Industrieproduzenten, während die gedämpfte Binnennachfrage weiterhin das Wachstum der Verbraucherpreise bremst.
Verbraucherpreise zeigen keine Dynamik
Der Verbraucherpreisindex (VPI) stieg im Mai im Jahresvergleich um 1,2 %, was dem Anstieg von 1,2 % im April entspricht. Diese Zahl blieb unter der Medianprognose von 1,3 % in einer Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen. Laut Daten des Nationalen Statistikamtes vom Mittwoch hatte ein signifikanter Rückgang der Schweinepreise um 16 % einen dämpfenden Effekt von 0,3 Prozentpunkten auf den Gesamt-VPI.
Auch der Kern-VPI, der volatile Lebensmittel- und Energiepreise ausklammert, blieb mit einem Anstieg von 1,1 % im Jahresvergleich unter den Erwartungen und verlangsamte sich gegenüber einem Anstieg von 1,2 % im April. Dies deutet darauf hin, dass sich inflationäre Tendenzen nicht breitflächig auf Verbraucherebene durchsetzen.
Erzeugerpreise beschleunigen sich
Im Gegensatz zur Verbraucherseite beschleunigte sich die Erzeugerinflation erheblich. Der Erzeugerpreisindex (PPI) stieg im Jahresvergleich um 3,9 %, was den Prognosen entspricht und eine deutliche Zunahme gegenüber dem Anstieg von 2,8 % im April darstellt. Dies ist die höchste Rate für Fabrikpreissteigerungen seit fast vier Jahren.
NBS-Statistikerin Dong Lijuan führte den Anstieg der Erzeugerpreise auf mehrere Faktoren zurück. „Die Beschleunigung der Elektrifizierung, die tiefe Integration von künstlicher Intelligenz in verschiedenen Sektoren und die wachsende Nachfrage nach Rechenleistung haben die Preise in Branchen wie Nichteisenmetallen, Elektromaschinen und Computern in die Höhe getrieben“, erklärte sie in einer Mitteilung zu den Zahlen.
KI-Boom treibt industrielle Nachfrage an
Der globale Boom im Bereich der künstlichen Intelligenz ist ein Schlüsselfaktor für den Anstieg der Fabrikpreise. Die gestiegene Nachfrage nach chinesischer Elektronik, von Halbleitern bis hin zu Leiterplatten, ist eine direkte Folge dieses Trends. Chinas Exporte beispielsweise stiegen im Mai im Jahresvergleich um mehr als 19 %, der höchste Wert seit drei Monaten, was größtenteils auf die globalen Investitionen in den Ausbau von Rechenzentren in den Vereinigten Staaten zurückzuführen ist.
Darüber hinaus trägt eine Rallye bei Rohstoffen wie Aluminium und Kupfer zu höheren Produktionspreisen bei. Diese Nichteisenmetalle profitieren von der erhöhten Nachfrage, die durch den Bedarf des KI-Sektors an fortschrittlicher Infrastruktur und Komponenten angetrieben wird.
Globale Faktoren und heimische Schwäche
Eine globale Energiekrise, die angeblich durch Ereignisse im Iran ausgelöst wurde, hat die inflationären Tendenzen in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wiederbelebt. Allerdings fällt es den konsumentennahen Fabriken schwer, diese höheren Rohstoffkosten an die Käufer weiterzugeben. Jahrelang schwache Binnennachfrage und Überkapazitäten haben zu einem intensiven Wettbewerb unter chinesischen Industrieunternehmen geführt, der breiter angelegte Preissteigerungen auf Verbraucherebene begrenzt.
David Qu von Bloomberg Economics bemerkte: „Der Iran-Krieg trieb die Erzeugerpreise in die Höhe, aber die schwache Binnennachfrage verhinderte eine Weitergabe an die Verbraucherinflation. Mit Blick auf die Zukunft erwarten wir, dass die PPI-Inflation relativ hoch bleiben wird, obwohl niedrigere Ölpreise das Tempo des Anstiegs verlangsamen sollten. Die VPI-Inflation sollte schwach bleiben.“
Nach der Veröffentlichung der Daten gab der chinesische Yuan frühere Gewinne gegenüber dem US-Dollar im Onshore-Handel wieder ab. Die Renditen zehnjähriger Staatsanleihen blieben stabil bei etwa 1,7 %.
Bloomberg Economics erwartet, dass der BIP-Deflator, ein Maß für die Preisänderungen in der gesamten Wirtschaft, seinen dreijährigen Rückgangszyklus in diesem Quartal beenden könnte. Dies deutet auf eine mögliche Verschiebung hin zu einer breiteren Inflation hin, aber die aktuelle Dichotomie zwischen steigenden Fabrikpreisen und stagnierender Verbraucherinflation unterstreicht die komplexen wirtschaftlichen Dynamiken, die in China im Spiel sind.


