Die US-Aktienindizes schlossen am Donnerstag uneinheitlich, wobei ein signifikanter Ausverkauf bei Chipherstellern den technologielastigen Nasdaq 100, der um -1,61% schloss, stark belastete. Im Gegensatz dazu stieg der Dow Jones Industrial Average um +1,14% und erreichte ein neues Allzeithoch, während der S&P 500 Index unverändert schloss, nachdem er zuvor ein 2-Wochen-Hoch verzeichnet hatte. Die unterschiedliche Entwicklung unterstrich einen Markt, der mit sektorspezifischen Bedenken, insbesondere im Zusammenhang mit dem Aufbau von Künstlicher Intelligenz (KI), zu kämpfen hatte, auch wenn breitere Wirtschaftsdaten eine gewisse Unterstützung boten.
Chiphersteller ziehen sich inmitten von KI-Kapazitätsbedenken zurück
Der Hauptbelastungsfaktor für den Markt, insbesondere den Nasdaq 100, waren die Chiphersteller, die den zweiten Tag in Folge Rückgänge verzeichneten. Dieser Rückzug wurde durch erneute Zweifel an der Nachhaltigkeit des KI-Ausbaubooms ausgelöst. Der Sektor eröffnete niedriger, nachdem der südkoreanische Kospi-Index um mehr als -7% auf ein 3-Wochen-Tief gefallen war, angeführt von erheblichen Rückgängen bei SK Hynix und Samsung Electronics. Hinzu kam die negative Stimmung vom Mittwoch, als Meta Platforms Pläne zum Verkauf von Rechenleistung ankündigte, was laut Quelle “Fragen nach überschüssiger KI-Kapazität” aufwarf.
Der iShares Semiconductor ETF (SOXX) fiel am Donnerstag um mehr als -5%. Einzelne Chiphersteller verzeichneten erhebliche Verluste, wobei SanDisk (SNDK) den Rückgang im S&P 500 und Nasdaq 100 anführte und um mehr als -14% schloss. KLA Corp (KLAC) fiel um über -12%, Marvell Technology (MRVL) sank um mehr als -11%, und sowohl Lam Research (LRCX) als auch Seagate Technology Holdings Plc (STX) schlossen um mehr als -10%. Weitere bemerkenswerte Rückgänge waren Western Digital (WDC) um mehr als -9%, Applied Materials (AMAT) um mehr als -8%, ARM Holdings Plc (ARM) um mehr als -6%, sowie Micron Technology (MU) und Intel (INTC) um mehr als -5%. Advanced Micro Devices (AMD), Microchip Technology (MCHP) und ASML Holding NV (ASML) schlossen jeweils um mehr als -4%.
Wirtschaftsdaten stützen Spekulationen über Fed-Zinspause
Trotz der Schwierigkeiten im Chipsektor eröffneten die Aktien am Donnerstag zunächst höher und fanden Unterstützung durch eine Reihe von US-Wirtschaftsberichten, die die Spekulationen befeuerten, dass die Federal Reserve Zinsanhebungen möglicherweise aufschieben könnte. Die US-amerikanischen Nonfarm Payrolls stiegen im Juni schwächer als erwartet um +57.000, was unter den Erwartungen von +113.000 lag. Darüber hinaus wurden die Nonfarm Payrolls für Mai von ursprünglich +172.000 auf +129.000 nach unten korrigiert.
Umgekehrt fiel die Arbeitslosenquote im Juni unerwartet um -0,1 auf ein 1-Jahres-Tief von 4,2%, was einen stärkeren Arbeitsmarkt signalisierte als die Erwartungen von keiner Veränderung bei 4,3%. Die durchschnittlichen Stundenlöhne in den USA stiegen im Januar um +0,3% im Monatsvergleich und um +3,5% im Jahresvergleich, was den Erwartungen entsprach. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA fielen ebenfalls unerwartet um -1.000 auf 215.000, was einen stärkeren Arbeitsmarkt zeigte als erwartet. Darüber hinaus zeigte der US-Bericht über die Auftragseingänge im Mai einen geringer als erwarteten Rückgang von -1,3% im Monatsvergleich, gegenüber Erwartungen von -2,0%. Die Auftragseingänge ohne Transportmittel stiegen um +1,9% im Monatsvergleich, übertrafen die Erwartungen von +1,0% und markierten den größten Anstieg seit über vier Jahren.
Breitere Marktdynamik und sektorale Performance
Während Chiphersteller zu kämpfen hatten, zeigten andere Sektoren Widerstandsfähigkeit. Softwareaktien beispielsweise stiegen den zweiten Tag in Folge. Adobe (ADBE) schloss um mehr als +4%, nachdem HSBC die Aktie von Halten auf Kaufen mit einem Kursziel von 308 US-Dollar hochgestuft hatte. Autodesk (ADSK), Intuit (INTU) und Workday (WDAY) schlossen alle um mehr als +3%, während Palantir Technologies (PLTR) nach einer Hochstufung durch DA Davidson auf Kaufen mit einem Kursziel von 175 US-Dollar um über +2% zulegte. Microsoft (MSFT) und Salesforce (CRM) verzeichneten ebenfalls Gewinne von mehr als +1%.
Bergbauaktien legten aufgrund eines Anstiegs der Gold- und Silberpreise deutlich zu. Coeur Mining (CDE), Hecla Mining (HL), Anglogold Ashanti (AU), Barrick Mining (B) und Newmont Corp (NEM) schlossen alle um mehr als +4%, wobei Freeport McMoran (FCX) um +0,71% zulegte. Unter anderen bemerkenswerten Bewegungen führte Genuine Parts (GPC) die Gewinner im S&P 500 an und schloss um mehr als +12% aufgrund von Berichten über ein Angebot von O’Reilly Automotive. AeroVironment (AVAV) stieg um über +10%, nachdem es einen US-Armeeauftrag im Wert von bis zu 500 Millionen US-Dollar erhalten hatte. Apple (AAPL) führte die Gewinner im Dow Jones Industrials an und schloss um mehr als +4%, nachdem Nikkei berichtete, dass das Unternehmen plant, in diesem Jahr 10 Millionen faltbare iPhones zu produzieren, eine Steigerung gegenüber früheren Prognosen. Tesla (TSLA) schloss jedoch um mehr als -7%, obwohl die Lieferungen im zweiten Quartal die Erwartungen übertrafen, was die Anleger nicht beeindruckte.
Globaler Ausblick und Rohstoffbewegungen
Die Überseemärkte schlossen am Donnerstag tendenziell höher, wobei der Euro Stoxx 50 auf ein neues Rekordhoch stieg und um +1,24% schloss. Chinas Shanghai Composite kletterte auf ein 1-Wochen-Hoch und stieg um +0,4%, und Japans Nikkei-225 Stock Average schloss um +0,59%. Auf dem Rohstoffmarkt fiel WTI-Rohöl (CLQ26) auf ein frisches 4,25-Monats-Tief, beeinflusst durch steigende globale Angebote, einschließlich einer 30%igen Steigerung der Lieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten im Juni und eines Anstiegs des kommerziellen Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Dieser Rückgang der Rohölpreise trug auch zu geringeren Inflationserwartungen bei und stützte die T-Notes, wobei die Rendite der 10-jährigen T-Note im September um -0,2 Basispunkte auf 4,477% fiel.
Die uneinheitliche Marktentwicklung am Donnerstag verdeutlicht ein komplexes Zusammenspiel von Faktoren, bei dem robuste Wirtschaftsdaten und starke Prognosen für die Gewinne im zweiten Quartal (Bloomberg Intelligence deutet auf einen Anstieg von 23% hin, wobei KI-Infrastrukturaktien fast 60% des EPS-Wachstums des S&P 500 beitragen) durch spezifische Sektorschwächen ausgeglichen werden. Die anhaltenden Bedenken hinsichtlich der KI-Kapazität und der daraus resultierende Rückzug der Chiphersteller unterstreichen eine vorsichtige Stimmung in einem wichtigen Wachstumssegment, auch wenn der breitere Markt Unterstützung durch eine potenziell weniger restriktive Federal Reserve und solide Unternehmensgewinnaussichten findet.


