Gold hat ein Zweimonatshoch erreicht und stieg über 4.400 Dollar pro Unze, da die Marktteilnehmer gespannt auf einen entscheidenden US-Inflationsbericht warten. Diese Daten sollen neue Einblicke in die mögliche Bereitschaft der Federal Reserve für eine Zinserhöhung geben, ein Faktor, der die Bewertung des Edelmetalls erheblich beeinflusst.
Der jüngste Anstieg des Goldpreises und technische Indikatoren
Das Edelmetall zeigte eine robuste Performance und stieg am Dienstag um bis zu 0,7%. Dies folgt einem deutlichen Anstieg von 3,6% in den beiden vorangegangenen Sitzungen, was auf eine bemerkenswerte Erholung der Anlegerstimmung hindeutet. Technisches Kaufinteresse spielte eine entscheidende Rolle bei diesem Aufwärtstrend, insbesondere nachdem der Goldpreis am Montag seinen 100-Tage-Durchschnitt überschritten hatte. Dieser technische Durchbruch, kombiniert mit dem Auftreten von ‘Dip-Buyers’ in den letzten Wochen und erhöhten Zuflüssen aus goldgedeckten Exchange Traded Funds (ETFs) in China, unterstreicht eine sich verlagernde Marktdynamik.
Hebe Chen, Analystin bei Vantage Markets in Melbourne, kommentierte diese Entwicklung: „Die verwickelten Teile rund um Gold beginnen sich endlich zu fügen, was dieser Erholung die Form einer frühen Phase eines neuen Zyklus verleiht.“ Sie führte weiter aus: „Nachdem Gold seit März in einer Abwärtsspirale gefangen war, beginnt es nun, sich von diesem Muster zu lösen. Noch wichtiger ist, dass seine Fähigkeit, zusammen mit höheren Ölpreisen und einem stärkeren Dollar zu steigen, darauf hindeutet, dass Händler beginnen, Gold durch eine andere Brille zu bewerten.“
Inflationsdruck und die Haltung der Fed
Die Händler konzentrieren sich nun hauptsächlich auf die neuesten US-Inflationsdaten, insbesondere den Verbraucherpreisindex (VPI), dessen Veröffentlichung für Mittwoch geplant ist. Laut der Medianprognose einer Bloomberg-Umfrage unter Ökonomen wird erwartet, dass der VPI im Juli um 0,1% steigen wird, eine Mäßigung im Vergleich zum Rückgang von 0,4% im Vormonat. Diese potenzielle Abschwächung des Preiswachstums, insbesondere nach dem schwächeren Arbeitsmarktbericht vom Freitag, könnte einige der Inflationsängste innerhalb der Federal Reserve lindern.
Die Aussicht auf eine Zinserhöhung durch die US-Zentralbank bleibt jedoch eine wichtige Überlegung. Ein solcher Schritt wirkt sich typischerweise negativ auf Gold aus, da es keine Zinsen abwirft. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Kreditkosten erhöht, würde steigen, wenn höhere Energiepreise einen stärkeren Inflationsdruck in der gesamten Wirtschaft ausüben. Jüngste geopolitische Entwicklungen könnten zu diesem Szenario beitragen.
Geopolitische Faktoren und Kommentare der Zentralbank
Die jüngsten Handlungen und Äußerungen von US-Präsident Donald Trump haben dem Marktausblick eine weitere Komplexitätsebene hinzugefügt. Am Montag stellte Präsident Trump weitreichende neue Forderungen an den Iran, eine härtere Haltung, die die Chancen auf ein Abkommen zwischen Washington und Teheran zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus und zur Beendigung des monatelangen Konflikts verringern könnte. Ein solches Ergebnis könnte zu erhöhten Ölpreisen führen und somit einen breiteren Inflationsdruck anheizen.
Getrennt davon äußerte sich Präsident Trump auch zur Häufigkeit seiner Gespräche mit dem Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh und spielte deren Ausmaß herunter. Er erklärte, er habe seit Warshs Amtsantritt im Mai nur einmal und „kurz“ mit ihm gesprochen. Diese Klarstellung erfolgte inmitten von Fragen bezüglich einer möglichen politischen Einflussnahme auf die Unabhängigkeit der Zentralbank.
Unterdessen äußerte die Präsidentin der Federal Reserve Bank of Cleveland, Beth Hammack, ihre Perspektive zur Geldpolitik und deutete an, dass „eine Reihe von Zinserhöhungen erforderlich sein könnte, um die Inflation auf das 2%-Ziel der Zentralbank zu senken.“ Hammack gehörte zu den drei Fed-Beamten, die im vergangenen Monat gegen die Entscheidung, die Kreditkosten auf dem derzeitigen Niveau zu halten, gestimmt hatten, was interne Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Zentralbank über den angemessenen Zinspfad verdeutlicht.
Breitere Marktentwicklung und Ausblick
Trotz der jüngsten Volatilität konnte Gold in den letzten Wochen über die wichtige Unterstützungsschwelle von 4.000 Dollar pro Unze steigen. Diese erneute Anlegerlust auf das Edelmetall wurde durch einen Anstieg der weltweiten Zentralbankkäufe weiter gestärkt. Doch selbst mit diesen Gewinnen notiert Gold immer noch etwa 17% unter den Niveaus, die vor Beginn des Iran-Krieges Ende Februar beobachtet wurden.
Im Handel am Dienstag stieg Spotgold um 0,5% auf 4.412,80 Dollar pro Unze um 8:50 Uhr in Singapur. Auch andere Edelmetalle verzeichneten Zuwächse, wobei Silber um 0,2% auf 65,89 Dollar pro Unze stieg und sowohl Platin als auch Palladium zulegten. Gleichzeitig verzeichnete der Bloomberg Dollar Spot Index, der die Stärke der US-Währung gegenüber einem Korb von Währungen misst, einen leichten Rückgang von 0,1%, nach einem Anstieg von 0,2% in der vorherigen Sitzung.
Das komplexe Zusammenspiel aus bevorstehenden Inflationsdaten, den geldpolitischen Entscheidungen der Federal Reserve und den sich entwickelnden geopolitischen Spannungen wird weiterhin die Hauptfaktoren für die Entwicklung des Goldpreises sein. Während sich die Händler auf den VPI-Bericht am Mittwoch vorbereiten, bleibt der Markt äußerst sensibel für alle Signale, die den weiteren Weg für die Zinssätze und damit die Attraktivität von sicheren Häfen wie Gold klären könnten.


