HONGKONG – Chinas Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal 2026 merklich verlangsamt, wobei offizielle Daten eine annualisierte Wachstumsrate von 4,3% aufzeigen. Diese Entwicklung markiert die schwächste Expansion seit über drei Jahren und das langsamste Tempo seit dem von Lockdowns geprägten vierten Quartal 2022, wie Regierungszahlen am Mittwoch bekannt gaben. Das Wachstum im zweiten Quartal blieb hinter den Prognosen zurück und stellte einen deutlichen Rückgang gegenüber dem robusten Tempo von 5% in den ersten drei Monaten des Jahres dar, trotz eines Exportanstiegs, der teilweise durch den Boom der künstlichen Intelligenz und eine starke globale Nachfrage nach chinesischen Elektrofahrzeugen angetrieben wurde.
Die jüngsten Statistiken unterstreichen ein wachsendes Ungleichgewicht innerhalb der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. Während China die umfassenderen wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Krieges, der die globale Inflation in die Höhe trieb, weitgehend abschütteln konnte, hinken die Binnenausgaben und Investitionen kontinuierlich hinterher. Diese interne Schwäche hat den Gesamtschub des leistungsstarken Exportproduktionssektors des Landes begrenzt, einer Wirtschaft, die seit den strengen COVID-19-Pandemie-Lockdowns in Teilen des Landes Schwierigkeiten hat, wieder an Dynamik zu gewinnen.
Exportmotor läuft, doch Binnennachfrage stockt
Die Exporte waren in der Tat ein Lichtblick, wobei Zolldaten einen Anstieg von 17,6% im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr und einen erheblichen Anstieg von 27% allein im Juni zeigten. Diese Exportstärke wird teilweise dem aufstrebenden Sektor der künstlichen Intelligenz und der robusten globalen Nachfrage nach chinesischen Elektrofahrzeugen zugeschrieben. Chinas Führung hat die Entwicklung fortschrittlicher Technologien zu einer Top-Priorität gemacht, was zu erheblichen staatlichen Subventionen führte, die den Export von High-Tech-Produkten wie Computerchips und anderer elektronischer Ausrüstung stark ankurbelten.
Diese exportorientierte Strategie trug dazu bei, dass China im vergangenen Jahr einen Rekordhandelsüberschuss von 1,2 Billionen US-Dollar erzielte. Dies hat jedoch auch Kritik von politischen Entscheidungsträgern in anderen Ländern hervorgerufen, die auf hohe staatliche Subventionen verweisen, die zu einem Überangebot an Industriegütern beitragen, die dann ins Ausland exportiert werden und Handelsungleichgewichte schaffen. Die Industrieproduktion nach Wert, ein wichtiger Indikator für die Gesundheit des verarbeitenden Gewerbes, stieg im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um 5,4%.
Trotz der starken externen Leistung bieten die internen Komponenten der chinesischen Wirtschaft ein herausforderndes Bild. “Dies war das langsamste Wachstum in einem Quartal seit dem von Lockdowns betroffenen vierten Quartal 2022”, bemerkte Lynn Song, Chefökonom für Greater China bei der ING Bank, in einer aktuellen Analyse. Der Hauptbremsklotz für das Wachstum war die Zurückhaltung chinesischer Familien bei größeren Anschaffungen, deren Konsumfreude durch einen anhaltenden Immobilienabschwung und anhaltende Unsicherheiten bezüglich Arbeitsplätzen und Löhnen eingeschränkt ist.
Wachsende Ungleichgewichte und schwaches Vertrauen
Die Beweise für diese interne Schwäche sind deutlich. Die Investitionen in Sachanlagen, zu denen wichtige Bereiche wie Fabrikausrüstung gehören, fielen im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr um 5,7%. Die Einzelhandelsumsätze von Konsumgütern stiegen lediglich um magere 1,3%, was die vorsichtige Konsumentenstimmung widerspiegelt. Hinzu kommt, dass die Immobilienpreise ihren Abwärtstrend fortsetzten, was das Haushaltsvermögen und das Vertrauen weiter untergräbt.
Ökonomen betonen zunehmend die strukturellen Ungleichgewichte im chinesischen Wirtschaftsmodell. Eswar Prasad, Professor für Wirtschaft und Handelspolitik an der Cornell University, erklärte, dass Chinas Wachstumsmodell, da es weiterhin auf Exporte angewiesen ist, um das Gesamtwachstum aufrechtzuerhalten, “zunehmend unausgewogen geworden ist”. Er warnte weiter, dass “eine substanzielle Steigerung der Binnennachfrage schwierig sein wird, da das Vertrauen schwach bleibt”. Diese Einschätzung wird von nationalen Beamten geteilt; Mao Shengyong, stellvertretender Leiter des Nationalen Statistikamtes Chinas, sagte Reportern, dass angesichts der “zunehmend instabilen und unsicheren globalen Lage” das Ungleichgewicht zwischen starkem Angebot und schwacher Nachfrage im Inland “akut bleibt”.
Die Expansion von KI und Robotik, die zwar die High-Tech-Exporte ankurbelt, hat im Inland auch Bedenken geweckt, ob Unternehmen genügend Arbeitsplätze schaffen werden, um langfristiges Wachstum zu sichern. Diese Sorge um die Beschäftigungsstabilität fügt den wirtschaftlichen Herausforderungen des Landes eine weitere Komplexitätsebene hinzu.
Regierungsantwort und zukünftige Entwicklung
Als Reaktion auf diese Herausforderungen bekräftigte Mao Shengyong, dass China sich auf die High-Tech-Fertigung konzentriert und ein “qualitativ höheres Wirtschaftswachstum” anstrebt. Er deutete an, dass die Regierung daran arbeiten werde, einen robusten Binnenmarkt aufzubauen und Unterstützung zur Stabilisierung der Beschäftigung anzubieten. Wei Li, Leiterin Multi-Asset Investments bei BNP Paribas Securities (China), charakterisierte Chinas Wirtschaft als in einem “signifikanten Übergang” befindlich und erkannte die tiefgreifenden Veränderungen an.
Für das gesamte Jahr 2026 haben die chinesischen Führer ein Wachstumsziel von 4,5% bis 5% festgelegt, ein etwas langsameres Tempo als die 5% des Vorjahres. Das gesamte Wirtschaftswachstum für das erste Halbjahr lag laut den am Mittwoch veröffentlichten Daten bei 4,7%. Der Internationale Währungsfonds hat seine Prognose für Chinas jährliches Wachstum kürzlich um 0,2 Prozentpunkte auf 4,6% für 2026 angehoben, erwartet jedoch eine weitere Verlangsamung auf nur 4,1% im Jahr 2027.
Der Weg für Chinas Wirtschaft scheint darin zu bestehen, interne strukturelle Veränderungen zu bewältigen und gleichzeitig seine externe Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Die Herausforderung liegt darin, eine widerstandsfähige Binnennachfragebasis zu fördern, die ihre Exportstärke ergänzen kann, um so ein ausgewogeneres und nachhaltigeres Wachstum in den kommenden Jahren zu gewährleisten.


