Frankfurt – Revolut-Chef Nik Storonsky hat angekündigt, dass die britische Neobank einen Börsengang (IPO) frühestens im Jahr 2028 anstrebt. Ein IPO sei „noch zwei Jahre entfernt“, sagte Storonsky in einem Videointerview für eine kommende Folge der „David Rubenstein Show“, einer Bloomberg-Interviewserie mit hochrangigen Wirtschafts- und Politikvertretern. Die Zeitplanung hänge von den Marktbedingungen ab.
Ein Sprecher von Revolut bestätigte die aktuellen strategischen Prioritäten des Unternehmens. „Unser Fokus liegt aktuell nicht auf einem Börsengang, sondern darauf, unser Geschäft weiter auszubauen, neue Produkte zu entwickeln und unseren Nutzern weltweit noch bessere und günstigere Services anzubieten“, erklärte der Sprecher. Ein Börsengang sei langfristig sinnvoll.
Storonsky betonte die Bedeutung von Vertrauen im Bankensektor. „Wir sind eine Bank, und für eine Bank ist Vertrauen extrem wichtig“, sagte er und deutete an, dass börsennotierte Unternehmen im Vergleich zu privaten Unternehmen mehr Vertrauen genießen würden.
Weiteres Wachstum und strategische Verkäufe
Revolut, eine der weltweit größten Neobanken, verzeichnet weiterhin ein starkes Wachstum. Im vergangenen Jahr stieg der Nettogewinn um rund 60 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro, ein neuer Rekordgewinn für die Digitalbank. Bis Ende 2025 zählte das Unternehmen weltweit insgesamt 68,3 Millionen Kunden, davon rund drei Millionen in Deutschland.
Neben der IPO-Zeitplanung enthüllte Storonsky, dass Revolut weitere Sekundärverkäufe von Aktien prüft. Diese Transaktionen ermöglichen es dem Unternehmen, länger in privater Hand zu bleiben, und schaffen Liquidität für Investoren und Mitarbeiter. Revolut führt solche Transaktionen etwa alle ein bis zwei Jahre durch.
Die letzte Sekundärtransaktion im vergangenen Jahr bewertete das Unternehmen mit 75 Milliarden US-Dollar, ein deutlicher Anstieg gegenüber 45 Milliarden US-Dollar ein Jahr zuvor. Diese Sekundärverkäufe dienen als Mechanismus zur Steuerung der Aktionärsliquidität und Unternehmensbewertung ohne einen unmittelbaren Börsengang.
Regulatorische Meilensteine und Expansionspläne
In der Europäischen Union operiert Revolut unter einer Banklizenz aus Litauen. Kürzlich hat das Unternehmen eine vollständige Banklizenz im Vereinigten Königreich erhalten. Diese britische Lizenz erlaubt es Revolut, Kundeneinlagen anzunehmen und Dienstleistungen wie Hypotheken und andere Kredite anzubieten, wodurch es traditionellen britischen Banken gleichgestellt wird.
Die Neobank hat zudem Banklizenzen in Frankreich und den Vereinigten Staaten beantragt. In den USA plant Revolut den Aufbau einer eigenen Bank. Obwohl das Unternehmen seit 2020 in den USA aktiv ist, hat es bisher hauptsächlich mit Partnerbanken zusammengearbeitet. Storonsky schätzt, dass die Erteilung einer US-Banklizenz bis zu einem Jahr dauern könnte, das offizielle Ziel der Bank liege jedoch bei vier Monaten. Er merkte an, dass der Genehmigungsprozess unter der aktuellen US-Regierung günstiger sei als noch vor zwei Jahren.
Rohstoffhandel in Deutschland eingestellt
Unterdessen hat Revolut den Handel mit Rohstoffen in Deutschland mit Wirkung zum 16. April eingestellt. Bestehende Positionen müssen bis zum 15. Juni verkauft werden. „Nach einer aktuellen Überprüfung unseres lokalen Angebots haben wir entschieden, unseren Rohstoffhandel in Deutschland einzustellen“, sagte ein Sprecher von Revolut.
Um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten, erhalten betroffene Kunden ein Zeitfenster von 60 Tagen, um ihre bestehenden Positionen zu verkaufen, wobei Revolut auf die üblichen Gebühren für diese Verkäufe verzichtet. Der Handel mit Exchange Traded Commodities (ETCs), die die Wertentwicklung eines oder mehrerer Rohstoffe abbilden, bleibt weiterhin möglich.
Die strategischen Entscheidungen von Revolut, einschließlich des verzögerten Börsengangs und der Einstellung bestimmter Dienstleistungen in spezifischen Märkten, spiegeln einen bedachten Ansatz für Wachstum und Marktpositionierung wider. Die fortgesetzte Expansion der Kundenbasis und Profitabilität des Unternehmens, gepaart mit dem Streben nach Banklizenzen in Schlüsselregionen, deutet auf eine langfristige Vision hin, die darauf abzielt, seine Position als globale Finanzinstitution zu festigen, bevor die Notierung an der Börse angestrebt wird.


