Neuseelands jährliche Inflationsrate hat sich im zweiten Quartal auf 4,1% beschleunigt und damit den schnellsten Anstieg seit über zwei Jahren verzeichnet. Dieser deutliche Anstieg, der hauptsächlich auf explodierende Treibstoffpreise zurückzuführen ist, hat die Erwartungen an die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) gefestigt, weitere Zinserhöhungen vorzunehmen, möglicherweise in schneller Folge, um dem erhöhten Preisdruck entgegenzuwirken.
Regierungsdaten, die am Dienstag veröffentlicht wurden, zeigten, dass der Verbraucherpreisindex (VPI) im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um 4,1% gestiegen ist, ein bemerkenswerter Anstieg gegenüber den 3,1% im ersten Quartal. Diese Zahl übertraf die Schätzungen der Ökonomen von 4% und deutet auf einen stärkeren Inflationsimpuls als erwartet hin. Auf Quartalsbasis stiegen die Preise gegenüber den vorangegangenen drei Monaten um 1,5%, was ebenfalls die Schätzung von 1,4% übertraf und ein breites Preiswachstum unterstreicht.
RBNZ-Haltung und Markterwartungen
Anfang dieses Monats leitete die RBNZ ihre erste Zinserhöhung seit drei Jahren ein und hob den Official Cash Rate (OCR) um einen Viertelpunkt auf 2,5% an. Dieser Schritt signalisierte die Absicht der Zentralbank, monetäre Anreize als Reaktion auf die anhaltende Inflation zurückzufahren. Während die RBNZ einen VPI von 3,9% erwartet hatte, deutet der tatsächliche Wert von 4,1% darauf hin, dass die Inflation stärker ist als ihre Prognosen. Das erklärte Ziel der Zentralbank ist es, dass sich die Preise in den nächsten 12 Monaten abkühlen und wieder in die Mitte ihres Zielbandes von 1-3% zurückkehren.
Die jüngsten Inflationsdaten hatten unmittelbare Auswirkungen auf die Finanzmärkte. Der Kiwi-Dollar legte gegenüber seinem US-Pendant zu, und die Rendite zweijähriger Staatsanleihen stieg um 2 Basispunkte auf 3,67%. Die Geldmärkte haben daraufhin die Erwartungen gefestigt, dass die RBNZ auf ihrer nächsten Sitzung im September die Zinsen erneut anheben wird. Händler erwarten laut datenbezogenen Swaps auch weitere Erhöhungen im Oktober oder Dezember und eine weitere im Februar.
Ökonomen-Einblicke zur künftigen Politik
Ökonomen stimmen weitgehend mit den unmittelbaren Marktaussichten überein. Die meisten Ökonomen erwarten, dass die Zentralbank auf der nächsten Sitzung am 2. September die Zinsen um einen weiteren Viertelpunkt anheben wird. Es besteht jedoch größere Unsicherheit über das Tempo, mit dem die RBNZ danach einen neutralen Kurs einschlagen wird. Mark Smith, Senior Economist bei der ASB Bank in Auckland, kommentierte die Strategie der Zentralbank: „Wir hoffen, dass die Rückführung des OCR auf ein weitgehend neutrales Niveau ausreichen wird, um sicherzustellen, dass sich die Inflation bei 2% einpendelt.“
Smith betonte auch das Potenzial für aggressivere Maßnahmen, falls der Inflationsdruck anhält. „Sollten die allgemeinen Preissteigerungen jedoch weiter zunehmen, besteht das Risiko, dass die RBNZ auf die Bremse treten und den OCR bis 2027 über 3,25% anheben muss“, warnte er. Dies deutet darauf hin, dass die RBNZ zwar einen maßvollen Ansatz anstrebt, ein anhaltender Preisanstieg jedoch einen stärkeren Straffungszyklus erforderlich machen könnte.
Haupttreiber des Inflationsdrucks
Die Beschleunigung der Inflationsrate in Neuseeland ist größtenteils auf erhebliche Anstiege der Importkosten, insbesondere von Treibstoff, zurückzuführen. Importierte, oder „tradables“, Preise stiegen gegenüber dem Vorjahr um 4,9%, ein erheblicher Sprung gegenüber den 2,5% im ersten Quartal. Diese Beschleunigung wurde hauptsächlich durch einen Anstieg des Benzinpreises um 27,5% und einen bemerkenswerten Anstieg der Kosten für andere Kraftstoffe, hauptsächlich Diesel, um 71% angeführt, wobei der Großteil dieser Anstiege im zweiten Quartal erfolgte.
Der globale Energiemarkt bleibt ein entscheidender Faktor für die Inflationsaussichten. RBNZ-Chefökonom Paul Conway bemerkte letzte Woche, dass erneute Feindseligkeiten im Nahen Osten, insbesondere ein Aufflammen der Kämpfe zwischen den USA und dem Iran, ein „Aufwärtspotenzial“ für die Inflationsprognosen der Zentralbank nahelegten. Dieses geopolitische Risiko unterstreicht die Anfälligkeit der neuseeländischen Inflation für internationale Rohstoffpreisschwankungen.
Inländischer vs. importierter Preisdruck
Während importierte Kosten ein Haupttreiber waren, trugen auch inländische Preisdruckfaktoren bei. Die jährliche Non-Tradables-Inflation, ein genau beobachteter Indikator für inländische Preisbewegungen, lag im zweiten Quartal bei 3,4%. Dies stellte eine leichte Verlangsamung gegenüber den 3,5% in den drei Monaten bis März dar. Neben Treibstoff identifizierte der Bericht Strom und lokale Grundsteuern als weitere wesentliche Faktoren für die gesamte jährliche Inflationsrate.
Weitere Details aus dem Bericht zeigen, dass die Non-Tradables-Preise im Quartal um 0,6% stiegen, was den Schätzungen der Ökonomen entsprach. Die Tradables-Preise stiegen jedoch im Quartal um 2,7% und übertrafen damit die Erwartungen der Ökonomen von 2,5%. Die Kerninflation, die volatile Komponenten wie Nahrungsmittel, Energie und Treibstoff ausschließt, lag im zweiten Quartal bei 2,5%, ein leichter Rückgang gegenüber 2,6% im ersten Quartal, was darauf hindeutet, dass der zugrunde liegende inländische Preisdruck, obwohl vorhanden, nicht so schnell ansteigt wie die Gesamtinflation.
Die jüngsten Inflationszahlen stellen eine klare Herausforderung für die Reserve Bank of New Zealand dar. Angesichts der schneller als erwartet steigenden Preise und der weiterhin volatilen globalen Energiemärkte steht die Zentralbank unter erhöhtem Druck, ihren Straffungszyklus fortzusetzen, um die Inflation wieder in ihren Zielbereich zu bringen und dabei die Notwendigkeit der Preisstabilität mit den breiteren Wirtschaftsaussichten in Einklang zu bringen.


