Das vielbeachtete Handelsabkommen des Vereinigten Königreichs mit den Vereinigten Staaten, einst als Eckpfeiler der Wirtschaftsstrategie nach dem Brexit konzipiert, wird nun von einem vorteilhafteren Abkommen der Europäischen Union überschattet. Laut einer Analyse des BBC-Wirtschaftsredakteurs Faisal Islam bleibt das US-Zollregime für das Vereinigte Königreich weitgehend unverändert, doch die EU hat die jüngsten Handelsabgaben von Präsident Donald Trump so gemeistert, dass sie sich in einer vergleichsweise stärkeren Position befindet.
Die Regierung von Präsident Trump hat stets nach Begründungen für die Errichtung von Zollmauern gesucht, die sich von Bedenken hinsichtlich der Opioidkrise und illegaler Migration bis hin zur Notwendigkeit, die Produktion nach Amerika zurückzuholen, entwickelten. Während seiner zweiten Amtszeit sind fast monatlich neue Begründungen aufgetaucht, von denen einige von Gerichten oder wirtschaftlichen Realitäten angefochten wurden. Die jüngste Begründung, wie Islam feststellt, beinhaltet die faktische Anschuldigung Dutzender Handelspartner, mit Waren zu handeln, die unter Einsatz von Zwangsarbeit hergestellt wurden. Dieser Schritt, von einer Branchengröße als ‘Zölle auf der Suche nach einer Autorität’ beschrieben, zielt darauf ab, die Abgaben des Präsidenten gegen mögliche Anfechtungen durch den Kongress oder die Gerichte zu stärken.
Für das Vereinigte Königreich ist die ‘gute Nachricht’, dass das Zollregime ‘effektiv dasselbe bleibt wie zuvor’. Die Regierung hat zuvor spezifische Nebenabkommen für Schlüsselbereiche wie Medikamente, Stahl, Aluminium und Autos gesichert. Bemerkenswerterweise half auch die Unterstützung von König Charles, günstige Bedingungen für Whisky-Exporte zu sichern. Diese Stabilität erweist sich jedoch nun als relativer Nachteil im Vergleich zu den jüngsten Erfolgen der EU.
Die Europäische Union hat ein ‘viel besseres Abkommen als zuvor’ erzielt, was sie in eine überlegene Lage gegenüber dem Vereinigten Königreich versetzt. Während sowohl das Vereinigte Königreich als auch die EU einem Zollsatz von 10 % unterliegen, ist der der EU ein Pauschalsatz. Im Gegensatz dazu wird der 10 %-Satz des Vereinigten Königreichs ‘neben anderen Zöllen’ auf eine Reihe von Waren, einschließlich Schuhen und Textilien, angewendet. Faisal Islams Analyse deutet darauf hin, dass ‘der gewichtete effektive Gesamtzollsatz für die EU (8,5 %) am Ende etwas niedriger ausfallen könnte als der des Vereinigten Königreichs (6,8 %)’. Dies legt nahe, dass trotz der numerischen Sätze die effektive Handelsbelastung der EU in die USA geringer sein könnte, was ihren Exporteuren einen Wettbewerbsvorteil in bestimmten Sektoren verschafft, wie der Handelsexperte der British Chambers of Commerce, William Bain, hervorhebt.
Ein entscheidender Faktor für die verbesserte Position der EU ist ihre proaktive legislative Reaktion. Die EU hat ein Verbot von Zwangsarbeitsprodukten verabschiedet, das das US-Verbot von Produkten, die mit Zwangsarbeit in Lieferketten in Verbindung stehen, direkt widerspiegelt. Das Vereinigte Königreich hat jedoch noch keine ähnliche spezifische Gesetzgebung verabschiedet. Während die Regierung im vergangenen Oktober erklärte, sie ‘lehne den Einsatz staatlich verordneter Zwangsarbeit entschieden ab’, verwies sie auch auf ‘operative und rechtliche Komplexitäten’ bei der ‘Prüfung, wie diese Position am besten widergespiegelt werden kann’. Diese legislative Divergenz ist keine Anschuldigung gegen das Vereinigte Königreich hinsichtlich der Nutzung von Zwangsarbeit in seinen Lieferketten, sondern vielmehr eine Unterscheidung in den formellen rechtlichen Rahmenbedingungen.
Die Frage der Zwangsarbeitsgesetzgebung wird weithin als ‘Hintertür zur Zielsetzung China’ wahrgenommen, insbesondere hinsichtlich der Bedingungen in der Provinz Xinjiang. Die Beziehung des Vereinigten Königreichs zu China war ein heikler ‘Balanceakt’. Trotz seiner erklärten Ablehnung staatlich verordneter Zwangsarbeit hat das Vereinigte Königreich kürzlich Importe chinesischer Autos begrüßt und prüft aktiv ein Dienstleistungshandelsabkommen mit dem Land.
Global gesehen führen die Zollkriege zu erheblichen Verschiebungen in den Handelsmustern. Da die USA ihre Begründungen für Zölle häufig ändern, konzentrieren sich andere Nationen zunehmend auf die Diversifizierung ihrer Handelsbeziehungen. Kanada beispielsweise hat seinen Handel mit dem Rest der Welt Berichten zufolge stärker gesteigert, als es durch die USA verloren hat. Chinas gesamter Dollarhandel mit den USA blieb im ersten Halbjahr dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr unverändert, doch sein globaler Handel stieg um 21 %. Dies umfasst eine Zunahme von 14 % mit der EU, 11 % mit dem Vereinigten Königreich und beachtliche 24 % mit Afrika.
Die aktuelle Situation wirft kritische Fragen für die britische Regierung auf. Es könnte ein wachsender Druck entstehen, ein formelles Verbot von Zwangsarbeitsprodukten gesetzlich zu verankern und über das von aufeinanderfolgenden Regierungen bevorzugte ‘leichtere freiwillige Sorgfaltspflichtregime’ hinauszugehen. Diese Entscheidung würde eine Neubewertung der ‘prekären geopolitischen Position’ des Vereinigten Königreichs erzwingen, insbesondere hinsichtlich seiner Handelsbeziehungen zu China. Die Regierung muss abwägen, ob sie sich enger an die US-Gesetzgebungsanforderungen anpassen und möglicherweise ein besseres Abkommen sichern will, oder ob sie ihre bestehenden, wenn auch weniger wettbewerbsfähigen, Vereinbarungen in Schlüsselbereichen beibehalten möchte.
Letztendlich scheinen die anfänglichen Vorteile, die aus den Handelsfreiheiten des Vereinigten Königreichs nach dem Brexit und seinen frühen Abkommen mit den USA gezogen wurden, angesichts der sich entwickelnden globalen Handelsdynamik und der strategischen Gesetzgebungsmaßnahmen der EU ‘kurzlebig’ zu sein. Das Vereinigte Königreich steht nun vor einer strategischen Entscheidung, die seine zukünftigen Handelsbeziehungen und seine Haltung zu internationalen Menschenrechtsstandards definieren wird.


