Düsseldorf. Nach Wochen der Unsicherheit hat sich die Stimmung am deutschen Aktienmarkt spürbar aufgehellt. Das Leitindex Dax notiert weiterhin über der wichtigen 200-Tage-Linie, die als Indikator für den langfristigen Trend gilt. Diese positive Entwicklung spiegelt sich auch in der aktuellen Handelsblatt-Umfrage zum Dax-Sentiment wider, die eine Trendwende signalisiert.
Positive Stimmung trotz geopolitischer Spannungen
Die Börsenstimmung ist zum ersten Mal seit Beginn des Irankriegs wieder positiv. Laut der wöchentlichen Handelsblatt-Umfrage, für die mehr als 10.000 Privatanleger befragt werden, steigt das Sentiment von minus 1,1 Punkten in der Vorwoche auf nunmehr plus 3,4 Punkte. Während des Irankriegs hatte dieser Wert zeitweise bei minus 7,3 Zählern gelegen. Extremwerte werden ab vier Punkten in die positive oder negative Richtung definiert.
Die Mehrheit der Umfrageteilnehmer gab ihre Einschätzung am Freitagmorgen ab, noch bevor die Nachrichten über die kurzzeitige Öffnung und anschließende Schließung der Straße von Hormus die Märkte erreichten. Dies deutet darauf hin, dass die positive Grundstimmung nicht allein auf die jüngsten geopolitischen Entwicklungen zurückzuführen ist.
Unsicherheit weicht, Zukunftserwartung dämpft Euphorie
Parallel zur verbesserten Anlegerstimmung ist auch die Unsicherheit unter den Befragten nahezu vollständig verflogen. Der entsprechende Indikator verbesserte sich von minus 1,9 Punkten auf minus 0,2 Punkte und erreicht damit ebenfalls den höchsten Wert seit Beginn des Irankriegs. Die Unsicherheit wird anhand der Frage gemessen, inwieweit sich die Erwartungen der Anleger in der abgelaufenen Handelswoche erfüllt haben.
Interessanterweise ist die Zukunftserwartung, die die Einschätzung der Marktphase in drei Monaten abbildet, von plus 1,4 Punkten auf plus 0,3 Punkte gefallen. Dieses Phänomen, dass die Zukunftserwartung sinkt, während die Kurse steigen, ist laut Sentimentexperten nicht ungewöhnlich. Es wird damit erklärt, dass sich ein Teil der positiven Erwartungen bereits durch den Kursanstieg realisiert hat und Anleger bei steigenden Notierungen vorsichtiger werden.
Geopolitische Schocks und ihre Folgen
Der Irankrieg hat gezeigt, dass auf geopolitische Schocks oft dynamische Erholungen folgen. Der Dax hatte seinen Tiefpunkt knapp unter der Marke von 22.000 Punkten erreicht und sich bis zum vergangenen Freitag auf bis zu knapp 24.800 Zähler erholt. Bis zum Rekordhoch fehlten jedoch noch knapp drei Prozent.
Eine separate Analyse von Anlegern, die nach der Meldung über die Öffnung der Straße von Hormus abstimmten, ergab, dass die Zukunftserwartung nach dem damit verbundenen Kurssprung deutlich zurückging. Dies deutet darauf hin, dass Anleger dem Frieden in der Region misstrauen, was sich im Nachhinein als berechtigt erwiesen hat.
Investitionsbereitschaft auf hohem Niveau, aber mit Vorbehalten
Die Investitionsbereitschaft der Anleger stieg von 2,0 auf 3,5 Punkte. Allerdings war dieser Wert vor der Hormus-Meldung am Freitag noch deutlich höher. Dies unterstreicht die gemischte Einschätzung der aktuellen Marktlage.
Für mittel- bis kurzfristig orientierte Anleger ist die Situation laut Stephan Heibel, Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX, entspannt. Er geht davon aus, dass sich die positive Entwicklung fortsetzen wird, auch wenn es zu kurzfristigen Verzögerungen oder Rückschlägen kommen sollte.
Donald Trump als Risikofaktor
Für kurzfristig orientierte Trader birgt die aktuelle Lage jedoch erhebliche Gefahren. Heibel warnt, dass eine Kurznachricht von US-Präsident Donald Trump die Märkte jederzeit zu einer Kehrtwende veranlassen kann. Das Misstrauen gegenüber dem US-Präsidenten bleibt somit ein signifikanter Unsicherheitsfaktor.
Langfristige Anleger sollten sich von kurzfristigen Kursrückgängen nicht beirren lassen. Der Aktienmarkt war zuletzt ohne handfeste positive Entwicklungen kontinuierlich gestiegen, was häufig zu Gewinnmitnahmen führt. Die aktuelle Konsolidierung wird daher nicht als Richtungswechsel, sondern als natürliche Marktbewegung nach einer Rally betrachtet.
Seit 2014 analysiert Stephan Heibel die Handelsblatt-Sentimentumfrage. Seine Expertise basiert auf jahrzehntelanger Beobachtung der Börsen in den USA und Europa. Seine Einschätzungen und Investmentideen werden von über 25.000 Lesern seines Börsenbriefs „Heibel-Ticker“ genutzt.


