Die Inflation in Perus Hauptstadt Lima beschleunigte sich im Juli stärker als von Ökonomen erwartet, hauptsächlich angetrieben durch erhebliche Preisanstiege bei Lebensmitteln und Transportkosten. Dies ist der fünfte Monat in Folge, in dem die Verbraucherpreise über dem Zielbereich der Zentralbank liegen, was eine anhaltende Herausforderung für die Politik darstellt.
Die Verbraucherpreise in Lima stiegen im Juli um 4,07% gegenüber dem Vorjahresmonat und übertrafen damit die Median-Schätzung von 3,92% der von Bloomberg befragten Ökonomen. Auf monatlicher Basis stiegen die Preise in der Hauptstadt, die als wichtiger Indikator für Perus nationale Inflationsrate dienen, um 0,29% gegenüber Juni, was ebenfalls die Median-Prognose von 0,25% übertraf.
Haupttreiber der Inflation
Die am Samstag von der nationalen Statistikbehörde INEI veröffentlichten jüngsten Daten zeigten die spezifischen Sektoren, die am stärksten zum jährlichen Preisanstieg beitrugen. Der Transportsektor verzeichnete mit einem Anstieg von 14,30% die deutlichste Zunahme. Darauf folgten Restaurants und Hotels mit einem Preisanstieg von 4,18%, während Lebensmittel und alkoholfreie Getränke um 3,46% teurer wurden.
Dieser anhaltende Inflationsdruck tritt auf, obwohl Peru in den letzten Jahren eine der niedrigsten Inflationsraten unter den Schwellenländern aufwies. Die Preise liegen jedoch seit März konstant über dem oberen Ende des Zielbereichs der Zentralbank von 1% bis 3%, ein Trend, der auf steigende Lebensmittelkosten zurückzuführen ist, die durch den globalen Energieschock noch verstärkt wurden.
Haltung der Zentralbank und Zukunftsaussichten
Die anhaltende Beschleunigung der Inflation stellt eine erhebliche Herausforderung für die peruanische Zentralbank dar. Die politischen Entscheidungsträger hatten zuvor angedeutet, dass sich die Inflation Anfang nächsten Jahres wieder in ihrem Zielbereich einpendeln würde. Sie haben jedoch auch eingeräumt, dass die Inflationsrisiken nach oben gerichtet sind, insbesondere aufgrund der erwarteten Auswirkungen des Wetterphänomens El Niño, das voraussichtlich später in diesem Jahr den Druck auf die Lebensmittelpreise erneuern wird.
Die Zentralbank hat ihren Leitzins seit zehn aufeinanderfolgenden Monaten bei 4,25% belassen, wobei die nächste Überprüfung für den 13. August angesetzt ist. Die Entscheidung über eine Anpassung dieses Zinssatzes wird angesichts der jüngsten Inflationszahlen und der drohenden El Niño-Gefahr genau beobachtet werden.
Breiterer Wirtschaftskontext und Politik der neuen Regierung
Trotz des Inflationsdrucks und der potenziellen Auswirkungen von El Niño wird erwartet, dass die peruanische Wirtschaft in diesem Jahr um mehr als 3% wachsen wird. Diese optimistische Prognose wird maßgeblich durch hohe Metallpreise und robuste private Ausgaben gestützt. Auch das Investorenvertrauen dürfte sich unter der neuen Regierung der konservativen Präsidentin Keiko Fujimori verbessern.
Präsidentin Fujimori hat den Berater und ehemaligen Zentralbankdirektor Elmer Cuba mit der Leitung ihrer Wirtschaftsagenda betraut und Julio Velarde für eine weitere Amtszeit an der Spitze der Zentralbank nominiert, was ein Bekenntnis zur wirtschaftlichen Stabilität signalisiert. In ihrer ersten Ansprache an die Nation in dieser Woche skizzierte Fujimori wichtige politische Prioritäten. Sie versprach, die fiskalische Nachhaltigkeit zu gewährleisten, regulatorische Hürden abzubauen, um Investitionen anzukurbeln, und kleine Unternehmen zu unterstützen, um die Formalisierung in der Wirtschaft zu verbessern. Ihre Regierung plant außerdem, vom Kongress vorübergehende Befugnisse zu beantragen, um per Dekret über wichtige Sicherheits- und Wirtschaftspolitiken zu entscheiden, um eine rasche Umsetzung ihrer Agenda zu ermöglichen.
Das Zusammenspiel von anhaltender Inflation, dem vorsichtigen Ansatz der Zentralbank und der Wirtschaftsreformagenda der neuen Regierung wird die wirtschaftliche Entwicklung Perus in den kommenden Monaten prägen. Während die breiteren Wirtschaftsaussichten positiv bleiben, wird die Bewältigung der Aufwärtsentwicklung der Verbraucherpreise, insbesondere bei Lebensmitteln und Transport, eine entscheidende Aufgabe für die politischen Entscheidungsträger sein, da sie sowohl inländische als auch externe Wirtschaftskräfte, einschließlich der erwarteten Auswirkungen von El Niño, steuern müssen.


