In den geschäftigen Industriezentren Chinas breitet sich eine spürbare Unruhe auf den Fabrikböden und an den Aushängen für befristete Arbeitsplätze aus. Während China eine bemerkenswerte Fähigkeit bewiesen hat, die wirtschaftlichen Schockwellen der US-Zölle abzufedern, wirft der eskalierende Konflikt im Nahen Osten nun einen langen Schatten auf seine exportabhängige Wirtschaft und beeinträchtigt alles von Fabrikaufträgen bis hin zum Lebensunterhalt seiner riesigen Arbeitskräfte.
Von Zöllen zu Tumult: Eine sich wandelnde Wirtschaftslandschaft
Noch im letzten Jahr erwies sich Chinas verarbeitende Industrie als überraschend robust. Sie überstand den Sturm der US-Handelszölle und verzeichnete ein BIP-Wachstum von rund 5 %. Diese Widerstandsfähigkeit verbarg jedoch unterschwellige Unzufriedenheit und einen kontinuierlichen Kampf mit langsamem Wachstum und Arbeitslosigkeit. Nun hat der US-israelische Krieg mit dem Iran eine neue Ebene globaler wirtschaftlicher Instabilität eingeführt, die Chinas Industrie maßgeblich beeinträchtigt.
In Foshan, einem wichtigen Produktionszentrum in der Provinz Guangdong, bieten Werbeanzeigen für befristete Fabrikarbeit magere Löhne von 18 bis 20 Yuan pro Stunde, was nur wenigen Dollar oder Pfund entspricht. Diese kurzfristigen Jobs, oft mit Aufgaben wie der Formung von Kunststoff oder der Montage von Mobiltelefonkomponenten verbunden, sind eine harte Realität für Arbeiter, von denen viele über 40 Jahre alt und aus ländlichen Provinzen stammen und mit zunehmender Unsicherheit konfrontiert sind und Schwierigkeiten haben, Geld nach Hause zu schicken.
„Niemand versteht, wie unser Leben ist“, beklagte ein anonymer Arbeiter. „Wir arbeiten und arbeiten und haben kein Leben. Bitte helfen Sie uns“, fügte ein anderer hinzu, ein seltenes und riskantes Flehen an einen ausländischen Journalisten, das die Verzweiflung vieler unterstreicht.
Die Straße von Hormus und steigende Kosten
Pekings Forderung nach einem Ende des Krieges ist nicht nur diplomatische Rhetorik; sie ist eine strategische Notwendigkeit für eine Wirtschaft, die stark vom globalen Handel abhängt. Während Chinas bedeutende Ölreserven und seine Führungsrolle in den Bereichen erneuerbare Energien und Elektrofahrzeuge einen gewissen Schutz vor einer globalen Kraftstoffkrise geboten haben, verursacht die Blockade der Straße von Hormus, einer lebenswichtigen Schifffahrtsroute, weitere Schmerzen.
Händler in Guangzhou, einer Stadt, die als größter Stoffmarkt der Welt gilt, berichten von erheblichen Kostensteigerungen. „Die Kosten sind um etwa 20 % gestiegen“, sagte ein anonymer Händler, der die Bewegung von Stoffballen überwachte, die für globale Einzelhändler wie Zara, Shein und Temu bestimmt waren. Die Produktion dieser Textilien ist untrennbar mit Petrochemikalien verbunden, die aus Öl gewonnen werden. Höhere Ölpreise führen direkt zu erhöhten Produktionskosten.
Dieser Kostenanstieg führt zu weniger Aufträgen, da einige Kunden Preiserhöhungen ablehnen. Für Hersteller, die mit geringen Margen arbeiten, ist die Übernahme dieser steigenden Kosten eine erhebliche Herausforderung. Der Widerstand, der vor einem Jahr während des US-chinesischen Handelskriegs zu sehen war, ist diesmal einer resignierten Haltung vieler in der Branche gewichen.
Chancen inmitten der Unsicherheit: Die Canton Fair
Trotz der Gegenwinde zeigt die Canton Fair, eine riesige Handelsmesse, Chinas Ehrgeiz und seine Vision für die Zukunft. Hier präsentieren Hersteller in riesigen Hallen die neuesten Technologien, von humanoiden Robotern über KI-gestützte Übersetzungsbrillen bis hin zu Roboter-Kletterhilfen. Dies ist das Bild, das Peking projizieren möchte: eine Nation an der Spitze der Innovation, während ihre geopolitischen Rivalen in Konflikte verwickelt sind.
Die Nachfrage nach alltäglichen Gadgets bleibt stark, aber auch ihre Preise steigen, teilweise aufgrund des ölintensiven Kunststoffherstellungsprozesses. Der Krieg hat jedoch auch Chinas Vorteil in einem weiteren wichtigen Sektor unbeabsichtigt hervorgehoben: Elektrofahrzeuge (EVs).
Chinas EV-Exporte verzeichneten einen erheblichen Anstieg: Allein im März wurden 350.000 Einheiten exportiert, ein Anstieg von 30 % gegenüber Februar und ein erstaunlicher Anstieg von 140 % gegenüber dem Vorjahr. Während der Nahe Osten ein wichtiger Markt war, hat der Konflikt diese Lieferungen gestört. Joyce Liu, eine EV-Händlerin, bemerkte: „Letztes Jahr gingen 90 % unserer Autos in den Nahen Osten, aber dieses Jahr haben wir wegen des Krieges fast aufgehört, mit ihnen Geschäfte zu machen.“ Ihr Fokus hat sich auf die Suche nach neuen Käufern in Afrika und Südamerika verlagert, Märkten, auf denen steigende Benzin- und Dieselkosten chinesische EVs zunehmend attraktiv machen.
Delegationen aus Ländern wie Oman suchen weiterhin aktiv nach Geschäften, was ein anhaltendes Interesse an chinesischer Automobiltechnologie zeigt, selbst inmitten der aktuellen globalen Instabilität. „Wir sind hier, um mit chinesischen Unternehmen zusammenzuarbeiten. Es ist im Moment schwierig, aber Inshallah [so Gott will] wird der Krieg enden und das Geschäft wird gut sein“, sagte Zahir Mohammed Zahir al-Kaabi, ein omanischer Delegierter.
Geopolitisches Gleichgewicht
Der Iran-Konflikt stellt Peking vor eine komplexe geopolitische Herausforderung. Während er Chinas Streben nach Selbstständigkeit beschleunigen mag, verkompliziert er auch seine Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Yu Jie vom Think Tank Chatham House meint, dass China ein vorhersehbareres Amerika bevorzugen würde, selbst wenn es im Niedergang begriffen ist. Darüber hinaus ist Peking bestrebt, Donald Trump nicht zu verärgern, und bevorstehende diplomatische Treffen werden wahrscheinlich seine Reaktion auf den Krieg dämpfen.
China engagiert sich aktiv in diplomatischen Bemühungen, fordert einen Waffenstillstand und nimmt Kontakt mit regionalen Mächten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien auf. Diese diplomatische Offensive, so William Figueroa, Professor an der Universität Groningen, signalisiert Chinas wachsende Rolle nicht nur in der Weltwirtschaft, sondern auch in den globalen Machtverhältnissen.
Für die Arbeiter in Foshan bieten diese geopolitischen Manöver jedoch wenig Trost. Ein ehemaliger Teilnehmer der Canton Fair, der für 150 Yuan einen 14-Stunden-Tag lang Toiletten reinigte, fasste die Stimmung zusammen: „Ich habe die Toiletten gereinigt“, sagte er mit einem schiefen Lachen, als er eine weitere Zigarette anzündete. Die wirtschaftlichen Realitäten vor Ort bleiben ein starker Kontrast zur großen diplomatischen Bühne.


